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Pro und Kontra
05. Februar 2019

Soll man auf den Begriff „evangelikal“ verzichten?

v. l.: Der Pastor der Freien evangelischen Gemeinde „Berlinprojekt“, Christian Nowatzky, und der Professor für Systematische Theologie an der FTH Gießen, Christoph Raedel. Fotos: Jet Foto/Privat
v. l.: Der Pastor der Freien evangelischen Gemeinde „Berlinprojekt“, Christian Nowatzky, und der Professor für Systematische Theologie an der FTH Gießen, Christoph Raedel. Fotos: Jet Foto/Privat

Wetzlar (idea) – Theologisch konservative Christen in Deutschland bezeichnen sich seit Ende der 1960er Jahre meist als evangelikal. In den Medien sind sie seit einigen Jahren Kritik und Diffamierungen ausgesetzt. Sollten Evangelikale deshalb auf den Begriff verzichten? Dazu äußern sich zwei Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Der Begriff „evangelikal“ ist zu negativ besetzt

Christian Nowatzky, Gründer und Pastor des Berlinprojekts, einer Freien evangelischen Gemeinde in Berlin, plädiert für einen Verzicht. Nach seiner Ansicht ist der Begriff „evangelikal“ zu negativ besetzt. Wer ihn höre, denke an Menschen, „die gegen Homosexuelle sind, ein Problem mit der Gleichberechtigung von Frauen haben, Donald Trump positiv bewerten und wahrscheinlich am Klimawandel zweifeln“. Der Begriff „evangelical“ sei in den USA erfunden worden. Dort identifizierten sich immer mehr evangelikale Leiter mit der republikanischen Partei, die zunehmend nach rechts gerückt sei. Spätestens seitdem 81 Prozent der weißen US-Evangelikalen für Trump gestimmt hätten, sei diese gedankliche Verbindung bei vielen fest verwurzelt. Nowatzky: „Wer sich als ‚evangelikal‘ bezeichnet, stellt sich heute bewusst oder unbewusst in diese Nähe. Warum sollten wir das tun?“ Mit „evangelisch“ habe man bereits einen „guten Begriff“. Er beschreibe viele engagierte Christen besser und betone die Einheit der Kirchen.

Kontra: Es gibt keine treffendere Bezeichnung

Gegensätzlicher Meinung ist der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT), Prof. Christoph Raedel, der an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) in Gießen lehrt. Er schreibt: „Evangelikale sind gut evangelisch, aber nicht alle evangelischen Christen sind evangelikal.“ Er kenne keinen Vorschlag für eine andere Bezeichnung, „der die Nähe zum Evangelium bei gleichzeitiger Unterscheidung von einem lediglich evangelischen Lebensgefühl oder einem Kulturprotestantismus treffender zum Ausdruck bringt“. Inzwischen sei die Gruppenbezeichnung „evangelikal“ selbst bei Religionswissenschaftlern in Deutschland angekommen. Raedel: „Wir würden das Label auch nicht einfach los, wenn wir darauf verzichteten.“ Evangelikale seien „intensiv evangelisch aus gutem Grund – und der ist nicht verhandelbar“.

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