Freitag • 7. August
Felix Aeschlimann über Theologie in Beatenberg
21. Juli 2020

Das sbt erklärt seine theologische Ausrichtung

Saturnin und Gertrud Wasserzug (li.) gründeten die Bibelschule in Beatenber, Felix Aeschlimann leitet sie heute. Bilder: zvg
Saturnin und Gertrud Wasserzug (li.) gründeten die Bibelschule in Beatenber, Felix Aeschlimann leitet sie heute. Bilder: zvg

Beatenberg (idea/dg) - Mit dem im Mai veröffentlichten Buch „Das Evangelium Gottes“ (Betanien Verlag) erklärt das Seminar für biblische Theologie sbt Beatenberg seine theologische Ausrichtung. Das Seminar feiert dieses Jahr sein 75-Jahr-Jubiläum. Die Feier musste wegen der Corona-Umstände auf Dezember verschoben werden.

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Jesus Christus, nicht Israel im Zentrum

Die theologische Ausrichtung hat im Laufe der Jahrzehnte Kurskorrekturen erfahren. „Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung des Staates Israel 1948 stand bei vielen Christen das Geschehen in Israel im Fokus statt Jesus Christus. Das führte meines Erachtens teilweise zu einer ungesunden Verschiebung in der Verkündigung“, erklärt der aktuelle sbt-Direktor Felix Aeschlimann (57) in einem Interview im ideaSpektrum 2020.31-32 zur Gründerzeit. Das Seminar wurde 1945 von Saturnin Wasserzug und seiner viel jüngeren Frau Gertrud gegründet. Bald einmal ging von Beatenberg ein grosser Einfluss auch ins Ausland aus, unter anderem mit Zweigwerken in Frankreich und Italien. Felix Aeschlimann meint zur damaligen Theologie weiter: „Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs interpretierten viele Evangelikale jedes weltpolitische Ereignis anhand biblischer Prophetie, besonders was im Nahen Osten passierte. Das sehen wir heute kritisch.“ Solche Interpretationen seien längstens nicht immer gelungen. Das sbt orientiere sich im Vergleich zur Gründungszeit nicht mehr am klassischen Dispensationalismus, während die Schule früher eine Hochburg dieser Ausrichtung gewesen sei. „Uns ist wichtig, das Evangelium, wie es die Reformatoren vor 500 Jahren neu entdeckten, im Zentrum unserer Lehre und Verkündigung zu haben und nicht eine neue Form von Moralismus und Aktivismus als gute Nachricht zu verkündigen“, sagt der Theologe und Betriebswirtschafter im Interview.

Sparpotential ausgenutzt

Vor 20 Jahren war er ans sbt als Dozent gekommen, vor 18 Jahren übernahm er die Direktion. Wie schon beim Abgang von Gertrud Wasserzug 1967, steckte das sbt beim Amtsantritt von Felix Aeschlimann in einer finanziellen Krise mit einem enormen Schuldenberg. Seine wohl folgenreichste Entscheidung sei denn auch gewesen, die Hälfte des Personals zu entlassen und die Strukturen zu ändern. Wahrscheinlich war dies ganz am Anfang, als ich 2002 die Leitung übernahm. Das Werk war unglaublich verschuldet. Um es zu retten, mussten wir die Hälfte des Personals entlassen und die Strukturen völlig verändern. Dass sie den Betrieb gut ohne spätere Wiederaufstockung des Personals weiterführen konnten, zeigt aus Sicht von Felix Aeschlimann, dass gewisse christliche Werke noch Sparpotential hätten.

Was die theologische Ausrichtung des sbt konkret bedeutet – unter anderem für die häufige Debatte, ob Verkündigung schuld- oder schamorientiert sein soll –, und wie sich Felix Aeschlimann in seiner Doppelrolle als Leiter des Seminars und des Gästehauses sieht, lesen Sie im Wochenmagazin ideaSpektrum 2020.30-31.

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