Samstag • 23. November
Über 6000 Unterschriften
04. November 2019

Reformierter Widerstand gegen "Trauung für alle"

Bisher haben 218 Pfarrerinnen und Pfarrer eine Erklärung gegen eine Trauung für alle unterschrieben. Foto: Erklärung/zvg
Bisher haben 218 Pfarrerinnen und Pfarrer eine Erklärung gegen eine Trauung für alle unterschrieben. Foto: Erklärung/zvg

(idea) - Der Offene Brief mit den Unterschriften wurde am 4. November dem Präsidenten der SEK-Abgeordnetenversammlung, Pierre de Salis, übergeben. Er war von der reformierten Erneuerungsbewegung R3 in der Romandie lanciert und Anfang Oktober dreisprachig unter der Hand verbreitet worden.

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8500 Unterschriften

Dieser Brief fand ein grosses Echo. Wie idea mitgeteilt wurde, haben ihn 6230 Personen aus reformierten Gemeinden (über 4300 aus der Deutschschweiz) unterschrieben. Dazu kommen 2200 Unterzeichnende aus anderen Kirchen, insgesamt also gegen 8500 Personen. Sie alle ersuchen die Abgeordneten des Kirchenbunds, der Eintracht in den reformierten Kirchen Sorge zu tragen und sich deshalb nicht für die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare zu votieren.

"Radikaler Bruch"

Der Widerstand gegen die Neudefinition der Ehe und die kirchliche "Trauung für alle" manifestiert sich aber auch in einer theologischen Erklärung. Sie wurde bis jetzt von 218 Pfarrerinnen und Pfarrer aus der Deutschschweiz und der Romandie unterzeichnet haben. Sie kritisieren den "radikalen Bruch mit der jüdisch-christlichen Tradition". Laut der Erklärung müssen kirchliche Entscheidungen biblisch-theologisch begründet werden, nicht mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Kirche könne "nicht nach eigenem Gutdünken über den Segen Gottes verfügen". Die Unterzeichnenden kündigen an, keine Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare durchzuführen.

Evangelisch-Theologischer Pfarrverein sendet Briefe

Auch der Evangelisch-theologische Pfarrverein hat einen von 28 Pfarrpersonen unterschriebenen Brief an die Abgeordneten gerichtet mit der Bitte, die Diskussion nicht abzubrechen, sondern vertieft weiterzuführen. Einen im brüderlichen Ton gehaltenen Brief verfasste der Präsident des Evangelisch-theologischen Pfarrvereins und sowie der Stiftung Bruder Klaus, Paul Bernhard Rothen. Beide Schreiben sind von den Verfassern öffentlich gemacht worden. 

Beschluss an der Abgeordnetenversammlung

Die Abgeordneten der Mitgliedkirchen des Kirchenbundes SEK befassen sich am Dienstag, 5. November, mit der Vorlage. Nach dem Antrag des Rats des SEK sollen sie den Mitgliedkirchen empfehlen, einen allfällig neuen zivilrechtlichen Ehebegriff zu übernehmen und gleichgeschlechtliche Paare in derselben Form zu trauen wie Hetero-Paare. Die Gewissensfreiheit der Pfarrpersonen soll gewährleistet werden.