Montag • 24. Juni
Bonelli
12. Juni 2019

Psychotherapeut: „68er“ mitverantwortlich für Missbrauchsskandal

Der Psychotherapeut und Bestsellerautor Raphael Bonelli. Foto: Privat
Der Psychotherapeut und Bestsellerautor Raphael Bonelli. Foto: Privat

Würzburg (idea) – Der Psychotherapeut und Bestsellerautor Raphael Bonelli (Wien) macht die 68er-Bewegung mitverantwortlich für den Missbrauchsskandal. „Wir ernten jetzt die Früchte der Achtundsechziger, die meinten, Sexualität sei nur zur eigenen Befriedigung da. Diese narzisstische Nabelschau ist das Fundament des Missbrauchs“, sagte Bonelli in einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ (Würzburg). Er nannte es „fragwürdig“, wenn sich Grüne und Alt-Achtundsechziger über den kirchlichen Missbrauchsskandal ereifern. Gerade „diese ideologischen Kreise“ hätten doch einst die Pädophilie enttabuisieren wollen – ganz im Gegensatz zur Lehre der Kirche.

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Sexualpädagogik des „pädophilen Psychologen“ Kentler tief in die Kirche eingedrungen

Bonelli bedauert, dass „Irrtümer“ wie die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ von Helmut Kentler (1928–2008) tief in kirchliche Strukturen eingedrungen seien. Er könne da nur warnen: „Frühsexualisierung ist das Muster der Pädophilen.“ Dennoch seien „viele sexualpädagogische Ansätze auf die Frühsexualisierung aus – auch innerhalb der Kirche und sogar bei Missbrauchsbeauftragten, die es eigentlich besser wissen sollten“. Er orte, so Bonelli, in manchen kirchlichen Einrichtungen eine Sexualpädagogik, „die sich an den pädophilen Psychologen Helmut Kentler anlehnt, was eine Katastrophe ist“. Das sei nicht Missbrauchsprävention, sondern fördere den Missbrauch. Zum Hintergrund: Kentler war ein umjubelter Redner auf mehreren Deutschen Evangelischen Kirchentagen. Er plädierte unter anderem für „gleichberechtigte und diskriminierungsfreie“ sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern.

Seelische Schäden durch sexuellen Missbrauch lassen sich gar nicht ermessen

Bonelli äußerte sich in dem Interview ferner zu den Folgen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche: „Ein Priester, der jemand sexuell missbraucht, sündigt schwer und scheint keine Gottesfurcht mehr zu haben. Den Schaden, den er in den Seelen anrichtet, weil er als Priester Christus repräsentieren sollte, können wir gar nicht ermessen.“ Dadurch sei die Kirche schwer beschädigt und habe massiv an Glaubwürdigkeit verloren.

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