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#Thesenanschlag2
31. Oktober 2017

Plakate erinnern an Luthers Thesenanschlag

Moderner Thesenanschlag. Fotos: Chrischona Wila
Moderner Thesenanschlag. Fotos: Chrischona Wila

(idea)- In aller Herrgottsfrühe und frostigen Temperaturen schleichen 500 Jahre nach Martin Luthers berühmtem Thesenanschlag dunkle Gestalten durch Strassen und Gassen in 140 Orten in der Deutschschweiz. Ihre Waffen: Plakate und Klebeband. Wo sich grad die Möglichkeit bietet, kleben sie ihre Botschaften an Wände und Türen: "Die Bibel ist sch..." Wie bitte? "Jesus ist to..." Hallo? Was soll das? Wer die Schlagzeilen ganz lesen wollte, musste näher hintreten. Der zweite Satzteil findet sich klein gedruckt. "Jesus ist to...tal an uns interessiert und auferstanden."

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Aktion der SEA

Hinter dem aktuellen Thesenanschlag steht die Schweizerische Evangelische Allianz (Zürich). Sie hat Christen in Landes- und Freikirchen motiviert, das Jubiläum von Luthers Thesenanschlag zum Anlass zu nehmen, um auf kreative Art die zentralen Fragen des Glaubens ins Gespräch zu bringen. Die Plakate nehmen Bezug auf die vier Grundsätze von Luthers Theologie - allein die Schrift, allein durch Glauben, allein durch Christus und allein durch Gnade.

VIDEO: Simon Bucher von der SEA: "Es wurden 10.000 Plakate aufgehängt"

Plakate spielen mit gängigen Klischees

"Was die Geschichte damals nachhaltig reformiert hat, ist auch heute noch relevant", ist SEA- Generalsekretär Matthias Spiess überzeugt. Es sei an der Zeit, wieder über den Inhalt des christlichen Glaubens zu sprechen. Genau das wolle die Aktion #Thesenanschlag2 auf unkonventionelle Weise erreichen. Die Plakate orientieren sich an den reformatorischen Grundsätzen und stellen vier thematisch passende Thesen zur Diskussion. Dabei spielen die Schlagzeilen auf den Plakaten mit den gängigen Klischees und antworten mit aktuellen Inhalten auf der Webseite www.thesenanschlag2.ch.

Nicht alle sind begeistert

Die Nacht- und Nebelaktion der Allianz begeisterte aber nicht alle Frommen. Türen, Schaufenster und Plakatstellen bekleben, ist nicht legal. "Stimmt!", sagt SEA-Generalsekretär Spiess. "Wir machten dies wie Luther - ohne Erlaubnis morgens um 4 Uhr! Wir glauben, dass wir dies in diesem Fall auch als Christen tun dürfen." Bei kritischen Rückfragen berufe man sich auf die Geschichte des 500. Jahrestags des Thesenanschlags "und auf die Botschaft, die immer noch aktuell ist". Schaden wollen die Christen aber niemandem: Die SEA lieferte zu den Plakaten Klebband mit, das sich rückstandsfrei entfernen lässt. "Christen sollen für einmal etwas Mutiges oder gar Freches machen", so SEA-Mann Spiess. Man wolle Aufmerksamkeit bei Passanten wecken und zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Einige Kirchen nutzen die Plakate gleichzeitig, um auf Veranstaltungen im Reformationsjahr hinzuweisen.

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