Mittwoch • 20. Januar
Bremer Gerichtsurteil
25. November 2020

Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung verurteilt

Der Pastor Olaf Latzel vor Gericht. Foto: idea/David Wengenroth
Der Pastor Olaf Latzel vor Gericht. Foto: idea/David Wengenroth

Bremen (idea) – Das Amtsgericht Bremen hat den Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde, Olaf Latzel, wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 90 Euro verurteilt. Es sei erwiesen, dass er vorsätzlich zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt habe, sagte die Richterin Ellen Best in ihrer Urteilsbegründung.

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Latzel habe in einem „Eheseminar“ seiner Gemeinde, das auf YouTube veröffentlicht wurde, Homosexuelle generalisierend als Verbrecher bezeichnet. Außerdem habe er Mitglieder der LSBTTIQ-Bewegung (die Abkürzung steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer) als „Gender-Dreck“ verunglimpft.

Sie sei, so Best, mit der Strafe am unteren Rand der Strafzumessung geblieben. Diese werde nicht als Vorstrafe im Führungszeugnis eingetragen. In dem Seminar hatte Latzel unter anderem über Homosexualität gesprochen und gesagt: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“ Außerdem hatte er geäußert: „Der ganze Gender-Dreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung.“

Verteidiger Böttner: Wir werden gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen

Latzels Verteidiger Sascha Böttner kündigte an, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. Er hatte im Prozess erklärt, der Pastor habe mit dem Begriff „Verbrecher“ nicht allgemein homosexuell lebende Menschen gemeint, sondern militante Aggressoren, die unter anderem die St.-Martini-Kirche mit blasphemischen Parolen beschmiert hatten.

Auch habe er „zu keinem Zeitpunkt Menschen als ,Gender-Dreck‘ bezeichnet“, sondern lediglich Kritik an einer politischen Strömung geäußert, die die Gender-Ideologie propagiere. Außerdem sei Latzel davon ausgegangen, dass die Aufzeichnung seines Vortrags nicht veröffentlicht werden sollte. Sie sei erst sechs Monate später von einem Gemeindemitglied ins Internet gestellt worden.