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Reformationsjubiläum
01. Februar 2018

Ökumenisches Wurstessen in Zürich

Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster Zürich Foto: zvg
Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster Zürich Foto: zvg

Die Zürcher Kirchen laden für den kommenden Sonntag zu einem ökumenischen Gottesdienst mit anschliessendem Wurstessen ein. An der Feier nehmen auch Generalvikar Josef Annen und Abt Urban Federer teil. Der Anlass knüpft an das Wurstessen vor 500 Jahren im Haus des Buchdruckers Christoffel Froschauer an, bei welchem Zürcher Persönlichkeiten das katholische Fastengebot brachen.

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Der Generalvikar für Zürich und Glarus, Josef Annen, verwies auf Anfrage darauf, dass es viele Anlässe zum Reformationsgedenken gebe. Dieser Gottesdienst mit anschliessendem Wurstessen werde von der reformierten und der katholischen Kirche gemeinsam getragen. „Ich freue mich auf den Gottesdienst und das anschliessende Volksfest“, sagte der Generalvikar gegenüber kath.ch.

„Wir können nicht ohne unserer Geschichte leben.“

Das aktuelle Wurstessen der beiden Zürcher Kirchen ist alles andere als gegen die katholische Kirche gerichtet, sagt der reformierte Pfarrer Christoph Sigrist auf Anfrage. Dieses Wurstessen verweise vielmehr auf die Geschichte der Kirche: „Wir können nicht ohne unserer Geschichte leben.“ Dies habe nicht nur mit Kirchengeschichte zu tun, sondern mit dem Menschsein an sich, also mit Anthropologie. Die Geschichte gehöre mit zum Menschen, der „aus der Geschichte lebt“, und die ihn auch präge.

Mit dem Wurstessen vom 9. März 1522 im Hause Froschauers sei etwas Ähnliches geschehen wie mit dem Thesenanschlag Martin Luthers fünf Jahre zuvor im deutschen Wittenberg. Beide Aktionen wollten ein „kritisches Potential“ öffentlich bekannt machen, das sich „gegen Kirchenmachtsansprüche und die Instrumentalisierung von kirchlichen Organisationen richtete, als es darum ging, das Evangelium, die Präsenz Gottes und den Glauben zu verkünden“.

Wachsames Auge

Wenn die Verkündigung instrumentalisiert werde, dann müsse man auch heute den Finger auf diesen wunden Punkt legen, erklärte der Botschafter des Zürcher Reformationsjubiläums weiter. Das sei schon vor 2000 Jahren der Fall gewesen und gelte nach wie vor. Auch heute könnten Rituale sowohl von der reformierten wie von der katholischen Kirche instrumentalisiert werden.

Heute geschehe in den Kirchen enorm viel gemeinsam. Es stelle sich nicht mehr die Frage, was die Unterschiede zwischen der reformierten und der katholischen Kirche seien. Im Vordergrund stehe das Christsein. Die gemeinsame ökumenische Feier mit dem anschliessenden Volksfest und Wurstessen vom kommenden Sonntag seien ein Ausdruck dieses gemeinsamen Christseins.

Volkstümlicher Brückenschlag

Das historische Wurstessen fand an einem 9. März in der Fastenzeit statt. Man hätte durchaus das aktuelle Fest in die Fastenzeit nahe diesem Datum legen können. Dies sei aber aufgrund terminlicher Kollisionen nicht möglich gewesen. Aus diesem Grund findet es im „Dunstkreis der Fastenzeit“ statt, so Sigrist.

Am „ökumenischen Brückenschlag“, wie es in der Einladung heisst, nehmen neben Generalvikar Josef Annen auch der Abt von Einsiedeln, Urban Federer, und der reformierte Kirchenratspräsident Michel Müller teil. Im reformierten Grossmünster wird eine Jodelmesse gegeben, die den volkstümlichen Charakter der Feier unterstreicht.

Würste aus verschiedenen Ortschaften

Serviert werden am Volksfest nicht irgendwelche Würste. Vielmehr orientiert sich die Auswahl am „Schattenwurf Zwinglis“. So heisst das Projekt, mit welchem sich die reformierte Kirche Zürich auf die Spuren des Reformatoren begibt. Die Wurstauswahl orientiert sich an der „Biographieachse“ Zwinglis, der von 1484 bis 1531 lebte. „Es ist uns gelungen, dass alle Orte, wo Zwingli einmal war, ihre Wurst zu unserem Wurstessen beitragen. Das ist eine schöne Geste“, sagt der Grossmünster Pfarrer.

Selbstverständlich werde am Volksfest niemand gezwungen sein, eine Wurst zu essen. Der Speiseplan umfasst auch ein Angebot für Vegetarier und Veganer. Er selber werde jedoch „den Senf zum Ereignis beitragen“, meint Pfarrer Sigrist abschliessend, der zum Schattenwurf Zwinglis zahlreiche Botschaften veröffentlicht hat.

(kath.ch/gs)

Der ökumenischer Brückenschlag von Sonntag, 4. Februar, beginnt mit dem Gottesdienst um 10 Uhr im Grossmünster. Darauf folgen Volksfest und Wurstessen in der benachbarten Helferei Zürich.

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