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Ehe für alle und die Ökumene
01. Oktober 2019

Ökumenische "Konfrontation" beim Eheverständnis

Sollen homosexuelle Paare kirchlich getraut werden? Foto: Pixelio/Esther Stosch
Sollen homosexuelle Paare kirchlich getraut werden? Foto: Pixelio/Esther Stosch

Bensheim (idea) - In einem Beitrag für die neueste Ausgabe des "Materialdienstes" des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim attestiert der evangelische Theologe Werner Thiede seiner Kirche mit Blick auf die Akzeptanz der "Ehe für alle" einen "gravierenden ökumenischen Dissens" im Eheverständnis.

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Seit Oktober 2017 dürfen in Deutschland gleichgeschlechtliche Paare standesamtlich heiraten. "Das bedeutet eine tief greifende Veränderung des Ehebegriffs, der sich traditionell rund um die Welt ausschliesslich auf heterosexuelle Paare bezogen hatte", so Thiede.

Umdefinition von Ehe

Die meisten protestantischen Kirchen hätten inzwischen auf diese "revolutionäre Umdefinition von 'Ehe' von politischer Seite" zustimmend reagiert. Diesem liberalisierten Ehebegriff stehe jedoch der "sakramental festgeklopfte Ehebegriff der katholischen Kirchen definitiv frontal gegenüber", wonach Ehe die Lebensgemeinschaft von Mann und Frau ist.

Konservative in der Defensive

Konservative Christen gerieten oft in die Defensive, wenn es um die "Ehe für alle" gehe, so Thiede. "Das Spaltungspotenzial des Themas ist enorm." Dabei gingen die Trennungslinien quer durch die Konfessionen, auch wenn im katholischen Bereich "die Dinge noch autoritativ geregelt, also Einheit bischöflich gewahrt" werde. Innerprotestantisch sei man aber weit entfernt von einem Konsens.

Die "eigentlichen Bruchlinien innerhalb der Ökumene", so der bayerische Theologe und Publizist, verliefen nicht mehr entlang der Konfessionsgrenzen, sondern dort, wo das "Grundbekenntnis liberaltheologisch preisgegeben" werde. "Sie treten insbesondere dort zutage, wo kirchenleitende Organe ihren Geistlichen die Freiheit zu bestreiten drohen, sich dem kirchlichen Bekenntnis und ihrem Gewissen gemäss in der gottesdienstlichen Praxis gegen die liturgische Trauung Gleichgeschlechtlicher zu entscheiden." (Quelle: kna)

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