Samstag • 29. April
Pro und Kontra
12. April 2017

Müssen Pfarrer ständig erreichbar sein?

v. l.: Der Theologe, Bestsellerautor und Psychiater Manfred Lütz und der Vorsitzende des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland, Andreas Kahnt. Fotos: Jens Möller/stagefoto.com; Privat
v. l.: Der Theologe, Bestsellerautor und Psychiater Manfred Lütz und der Vorsitzende des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland, Andreas Kahnt. Fotos: Jens Möller/stagefoto.com; Privat

Wetzlar (idea) – Wenn Kirchenmitglieder mit dem Pfarrer telefonieren wollen, meldet sich häufig nur der Anrufbeantworter. Das führt gerade bei Trauerfällen zu Unverständnis. Müssen Seelsorger ständig erreichbar sein? Dazu nehmen zwei Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) Stellung.

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Manfred Lütz: Anrufbeantworter bei Pfarrern verbieten

Der Katholik Manfred Lütz – er ist auch Psychiater und Chefarzt eines Krankenhauses in Köln – vertritt die Meinung: „Wir brauchen Seelsorger, die wieder persönlich erreichbar sind.“ Er plädiert für ein strenges Verbot von Anrufbeantwortern bei Pfarrern und Mitarbeitern in der Seelsorge. Es sei ein Segen, wenn Menschen ihren Seelsorger sprechen könnten. Und die meisten Anrufer werden, so Lütz, erst einmal fragen, ob es jetzt passt, oder ob sie sich später noch einmal melden sollen. Seelsorge sei viel wichtiger als Psychotherapie, „denn es ist eine existenzielle Beziehung, nicht bloß eine künstliche Beziehung auf Zeit für Geld“. Der Anrufbeantworter aber schrecke ab: „Er entwertet Seelsorger als bloße Dienstleister.“

Pfarrer Andreas Kahnt: Ständige Erreichbarkeit macht krank

Die Gegenposition vertritt der Vorsitzende des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer, Andreas Kahnt (Westerstede/Oldenburg): „Wer ständig erreichbar sein soll, von dem kann nicht erwartet werden, dass er bei der Sache ist und konzentriert auf seine Aufgaben am Evangelium und an den Menschen.“ Der Anspruch, einen Pfarrer jederzeit ansprechen zu können, sei auch unbiblisch: „Denn Gott, der Herr, hat dankenswerterweise einen guten Wechsel von Arbeit und Ruhe vorgesehen.“ Ständige Erreichbarkeit hingegen mache krank: „Wollte man sie einfordern, erwiese man dem Evangelium und den Menschen einen Bärendienst und verweigerte die Fürsorgepflicht der Kirche gegenüber ihren Mitarbeitenden.“

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