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Durch Umbau multifunktional
25. Oktober 2017

Luzern: Neues Leben in englischer Kirche

Mitten in Luzern: Die Markuskirche. Der Einbau eines Multifunkionalen Blocks im hinteren Teil erfüllt neue Bedürfnisse. Fotos: idea/rh; Markuskirche Luzern
Mitten in Luzern: Die Markuskirche. Der Einbau eines Multifunkionalen Blocks im hinteren Teil erfüllt neue Bedürfnisse. Fotos: idea/rh; Markuskirche Luzern

Luzern (idea/rh) - Von den 29 englischen Kirchen in der Schweiz steht eine in Luzern. Im Schatten des übergrossen Casinos, an der Strasse in Richtung Verkehrshaus, schmiegt sich die Markuskirche in den Hang und verströmt bis heute englisches Flair. Eingeweiht wurde sie 1899 und bot 550 Kirchgängern Platz. In ihren besten Tagen zählte die anglikanische Gemeinde in Luzern 3000 Mitglieder. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs sank die Zahl der britischen Touristen. 1984 zählten die Anglikaner hier nur noch 20 Personen. Die Kirche stand zum Verkauf. Aber wer will eine 100-jährige Kirche? Soll sie ein Museum werden oder ein Dancing?

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Freikirche belebt das historische Gebäude

Schliesslich war es die Freikirche "Gemeinde für Urchristentum", heute "Bewegung Plus", welche das historische Gebäude vor 34 Jahren kaufte und "gemeinschaftstauglich" machte, wie Pastor Marek Kolman sagt. Dazu wurde der hintere Kirchenteil mit einer Wand abgetrennt und einer Empore versehen. Der Kauf war für die Gemeinde, die damals keine 100 Personen umfasste, ein Wagnis. Ihr Mut wurde belohnt. Die Gemeinschaft in der Markuskirche ist gewachsen. Heute sind es 260 Erwachsene und Kinder, die dem alten Gemäuer neues Leben verleihen. Zum sonntäglichen Gottesdienst treffen sich im Schnitt 150 Personen. Platz hätten an die 240. Marek Kolman betont, man wolle eine Mehrgenerationen-Gemeinde sein und zeitgemässe Spiritualität leben. Dabei unterstreicht er die Wichtigkeit der Begegnung und des Miteinanders; auch das sei Gottesdienst.

VIDEO: Pastor Marek Kolman über den Umbau

Die zündende Idee

Die Frage ist: Lässt sich eine denkmalgeschützte Kirche zweckmässig umgestalten? Die Luzerner Freikirche hat den Vorteil, dass sie in unmittelbarer Nähe über mehrere Seminarräume und Büros verfügt. Daran fehlt es also nicht. Aber wie bringt man neues Leben in die alte Kirche? Wie gelingt es, den Blick nach vorne und nach oben mit dem Blick zum Nächsten zu ergänzen? Jetzt hat die Markuskirche ein neues "Herz". In viermonatiger Bauzeit wurde die Infrastruktur im hinteren Bereich komplett herausgerissen und durch eine "Begegnungsinsel" ersetzt. Die Idee des Luzerner Architekten Luca Deon überzeugt. Der filigrane, farblich abgestimmte, mehrstöckige Holzeinbau erinnert an in die Höhe wachsende Orgelpfeifen. Glas verleiht dem wie eine Insel im Raum platzierten Baukörper Leichtigkeit und schafft gleichzeitig Transparenz zwischen Gottesdienstraum und Foyer.

Multifunktional bis ins Detail

Der Einbau ist von beiden Seiten nutzbar und nicht nur ästhetisch ein grosser Wurf. Er verblüfft gleichzeitig durch seine Multifunktionalität. In der Begegnungsinsel eingebaut ist eine Küche mit zwei Theken, die Audio- und Videotechnik, Übersetzungskabinen, ein Mutter/Vater-Kind-Raum sowie ein Treppenaufgang zu einem flexibel nutzbaren Kinderhort, Jugend- oder Seminarraum. Mit den riesigen seitlichen Flügeltüren lassen sich Saal und Foyer trennen und parallel nutzen. Erneuert wurden zudem die sanitären Anlagen und die Kirchenbeleuchtung. Denkmalpfleger Marcus Casutt lobt, der Architekt habe mit dieser Funktionsinsel eine "Eier legende Wollmilchsau" erfunden. Weil die Nutzung alter Kirchen in Zukunft zu einer Herausforderung werden dürfte, sei die Markuskirche ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein Baudenkmal in aufgefrischter Form für modern gestaltete Gottesdienste Verwendung finden könne, meint Casutt.

VIDEO: Der Umbau im Zeitraffer

Visionen brauchen Hände

Der Umbau kostete 720.000 Franken und wird mit Spenden, Darlehen und Sponsoringbeiträgen bezahlt. Und nicht zu vergessen - mit viel Eigenleistung. "Rund 100 engagierte Gemeindeglieder investierten rund 1000 Stunden im Wert von 70.000 Franken", erklärt der Leiter der Baukommission, Daniel Bachmann. Beat Hedinger hat die arbeitswilligen Christen koordiniert und lobt ihr Engagement, das zudem miteinander verbinde. Pastor Kolman steht die Freude ins Gesicht geschrieben: "Wir haben nun Raum für zeitgemässe Spiritualität, soziales Engagement, für Kultur, für Feiern und andere Anlässe. Unsere Kirche soll ein Begegnungszentrum sein, von dem aus Gottes Liebe in Luzern erfahrbar wird." 

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