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Kondolenzschreiben
17. Juni 2017

Kirchen würdigen Helmut Kohl als Staatsmann mit Weitblick

v. l.: Bundeskanzler Helmut Kohl 1990 im Gespräch mit dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow. Foto: picture-alliance/dpa
v. l.: Bundeskanzler Helmut Kohl 1990 im Gespräch mit dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow. Foto: picture-alliance/dpa

München (idea) – Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben die Verdienste von Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) gewürdigt, der am 16. Juni im Alter von 87 Jahren gestorben ist. Er habe „Weitblick mit Realismus“ und „Visionen mit Freundschaft“ verbunden, schrieben der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), und die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer (Berlin), in ihrem gemeinsam Kondolenzschreiben an die Ehefrau des Verstorbenen, Maike Kohl-Richter. „Ohne das Vertrauen, das er bei vielen Politikern in aller Welt genossen habe, wäre die deutsche Einheit nicht so schnell und so friedlich zustande gekommen.“ Zugleich hoben die beiden Kirchenvertreter die maßgebliche Rolle Kohls für die europäische Einigung hervor. Das Schengener Abkommen, das die Grenzkontrollen zwischen den beteiligten Staaten abschaffte, sowie die Wirtschafts- und Währungsunion seien in erheblichem Maße sein Werk. „Gerade jetzt – in einer Zeit, in der die Europäische Union von vielen Menschen in Frage gestellt wird – erinnert die Evangelische Kirche in Deutschland mit Dank an den Beitrag Helmut Kohls dazu, diese Union zu entwickeln und den Frieden auf unserem Kontinent zu stärken.“

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Kirchenpräsident: Konstruktiv-kritisch mit dem Lebenswerk Kohls auseinandersetzen

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung (Darmstadt) erklärte, dass Kohl immer wieder das Gespräch mit den Kirchen gesucht habe und für sie „ein hervorragender Gesprächspartner“ gewesen sei. Dem katholischen Politiker sei es darum gegangen, dass die Kirchen „in ökumenischer Perspektive Europa mitgestalten“. Jung: „Wenn Helmut Kohl von Ökumene sprach, hatte er dabei auch immer die christliche Orthodoxie im Blick. Mehr noch: Er sah die großen monotheistischen Religionen gemeinsam in der Pflicht, ein friedliches Miteinander zu gestalten.“ Eine dankbare „konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit dem politischen Lebenswerk“ Kohls könne auch heute noch wegweisend sein.

Kardinal Marx: Kohl gestaltete Europa aus seinen christlichen Überzeugungen heraus

Der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), würdigte Kohl als Persönlichkeit mit historischem Weitblick. Er habe „mit visionärer Kraft, mit Mut, Berharrlichkeit und großem Verhandlungsgeschick die Einheit Deutschlands befördert und mit anderen herbeigeführt“. Zugleich hatte Kohl laut Marx entscheidenden Anteil am Wachsen eines geeinten Europas ohne Grenzen. Es sei sein Anliegen gewesen, Europa aus seinen christlich geprägten Überzeugungen heraus zu gestalten. Marx: „Die katholische Kirche in Deutschland verneigt sich vor dem Verstorbenen in Trauer, Anerkennung und Dankbarkeit.“

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