Dienstag • 27. Juni
EMK
14. Juni 2017

Kirche fragt nach ihrer Zukunft

Andreas Walker: „Was bedeutet eine weibliche Zukunft?“ Foto: EMK Schweiz
Andreas Walker: „Was bedeutet eine weibliche Zukunft?“ Foto: EMK Schweiz

Die viertägige Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) fand am Sonntag in Zuchwil bei Solothurn ihren festlichen Abschluss. Die EMK-Delegierten liessen sich unter dem Motto „Gefragt“ am Samstag, dem Bildungstag, von Zukunftsforscher Andreas Walker inspirieren und diskutierten Weichenstellungen für die Zukunft ihrer Kirche.

ANZEIGE

Skeptiker und Hoffnungsvolle

Andreas Walker, der Initiant des Hoffnungsbarometers, führte in wichtige Herausforderungen der Zukunft ein und machte klar, dass Hoffnung mehr als Optimismus ist. Es gehe um die Suche nach dem Nachhaltigen und Zukunftsfähigen, das Menschen nicht nur gut finden und erwarten, sondern wofür sie sich auch gern engagieren. Der Skeptische werde im deutschsprachigen Mitteleuropa gemeinhin als klüger angesehen als der Hoffnungsvolle. Entsprechend würden Sorgenbarometer finanziell gefördert, nicht aber Hoffnungsbarometer.

Weibliche Zukunft?

Eine weitere grosse Herausforderung sei die der Lebenserwartung, die sich in den letzten 150 Jahren mehr als verdoppelt habe, sagte Walker. „Was machen wir damit?“ Die digitale Transformation der Gesellschaft stelle ebenfalls eine Quelle tiefgreifender Veränderungen dar. Eine davon bestehe darin, dass etwa die Hälfte aller traditionellen Berufsbilder, viele von ihnen typische Männerberufe, durch Technologien ersetzt würden. Daraus folge die Frage: „Was bedeutet eine weibliche Zukunft?“

Die immer umfassendere Speicherung und Verwendung von personenbezogenen Daten werfe ebenfalls ihre Schatten voraus, so Walker. Eine zugespitzte Frage könnte lauten: „Wozu soll ich noch Gott im Gebet um Rat fragen, wenn die künstliche Intelligenz, Big Data und Google alles über mich wissen?“

Denkmal oder Bewegung?

Auf der Traktandenliste der EMK-Konferenz standen ebenfalls verschiedene Fragestellungen zur Zukunft der Kirche selbst. So stellte der französisch abgefasste Bericht der vier Distriktsvorsteher die Frage, ob die Kirche ein Denkmal oder eine Bewegung (monument ou mouvement) sei. Der EMK-Vorstand orientierte die Delegierten über seine Arbeiten an einer professionelleren Bewirtschaftung der Immobilien, der Umwandlung der Zentralen Dienste in ein Geschäftsleitungsmodell und die Weiterentwicklung der Strategie der Kirche. Konkrete Anträge an die Konferenz werden im nächsten Jahr folgen.

Delegierte fühlen sich „nicht mitgenommen“

Dies rief bei den Delegierten nicht unbedingt Begeisterung hervor. Sie fühlten sich „nicht mitgenommen“, das Konferieren, eine EMK-Spezialität der Meinungsbildung seit John Wesley, sei bei diesen Neuerungen bislang zu kurz gekommen. Der Vorstand versprach, diese Kritik aufzunehmen. In den kommenden Monaten sollen beispielsweise regionale Veranstaltungen zur neuen Immobilienstrategie stattfinden, wo die Situation in den einzelnen EMK-Gemeinden diskutiert und konkretisiert werden kann. (bs)

www.emk-schweiz.ch

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser sieben Tage kommentiert werden.