Freitag • 22. Februar
Pro und Kontra
12. Februar 2019

Ist der Pfarrberuf in Deutschland noch attraktiv genug?

v. l.: Der Pastor der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Willehadi in Osterholz-Scharmbeck, Stephan Dreytza, und der Vorsitzende des Evangelischen Pfarrvereins im Rheinland, Pfarrer Friedhelm Maurer. Fotos: idea/Wolfgang Köbke; Privat
v. l.: Der Pastor der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Willehadi in Osterholz-Scharmbeck, Stephan Dreytza, und der Vorsitzende des Evangelischen Pfarrvereins im Rheinland, Pfarrer Friedhelm Maurer. Fotos: idea/Wolfgang Köbke; Privat

Wetzlar (idea) – In Deutschland entscheiden sich immer weniger junge Menschen für ein Theologiestudium. Schon jetzt können deswegen manche Pfarrstellen nicht besetzt werden. Die Situation wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Denn bis 2027 wird in vielen Regionen mehr als die Hälfte der Pfarrer in den Ruhestand gehen. Ist der Beruf noch attraktiv genug? Dazu äußern sich zwei Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Wer als Pastor die Menschen liebt, so wie sie wirklich sind, erlebt Sternstunden

Der Pastor der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Willehadi in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen, Stephan Dreytza, nennt zehn Gründe, die den Pfarrberuf für ihn attraktiv machen. So werde Pfarrern von „wildfremden Personen“ viel Vertrauen und Dankbarkeit entgegengebracht. Sie erzählten persönliche Dinge, und er könne ihnen zuhören und für sie beten. Er könne zudem seine Termine und Schwerpunkte flexibel gestalten und viele Entdeckungen machen: „Wer als Pastor die Menschen von Herzen liebt, so wie sie wirklich sind, wer es aushält, kritisch hinterfragt zu werden, und neue Impulse und Gaben konstruktiv aufnimmt, erlebt Sternstunden.“ Attraktiv mache den Pfarrberuf auch die Tatsache, dass er Vollzeit tätig sein dürfe, um den Glauben in Wort und Tat zu bewerben. Da Pastoren Mangelware seien, könne er sich ferner die Gemeinde aussuchen, betont Dreytza.

Kontra: Der Pfarrberuf ist eine Berufung – keine Attraktion

Anderer Ansicht ist der Vorsitzende des Evangelischen Pfarrvereins im Rheinland, Pfarrer Friedhelm Maurer (Gemünden im Hunsrück). Attraktivität unterliege durchaus Trends, und man laufe schnell dem Zeitgeist hinterher, „um sich so zu präsentieren, wie es aktuell gewünscht wird“. Jesus verspreche bei seinem Ruf in die Nachfolge keinen angenehmen Weg, sondern er verheiße eine „enge Pforte“ und einen „schmalen Weg“ (Matthäus 7,14): „Der Pfarrberuf ist und bleibt eine Berufung. Dem an das Wort Gottes gebundenen Gewissen folgen kann für einen selbst und andere Menschen alles andere als attraktiv sein.“ Aber dieser Weg sei einer, „der zum Leben führt“ (Matthäus 7,14). Die Kirchenleitung müsse diese Berufung ernst nehmen und sich für eine gute theologische Ausbildung und die notwendige Unabhängigkeit bei der Berufsausübung einsetzen: „Die Freiheit im Dienst der Verkündigung und der Seelsorge macht den Pfarrberuf wohl nicht zu einer Attraktion, aber zu einer Verheißung, zu der man sich hingezogen fühlen darf.“

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