Montag • 20. November
„Mit Geld Gutes tun“
30. Oktober 2017

„Geld muss dienen und nicht regieren“

Der „alternative“ Banker Martin Rohner: „Die Gewinnmaximierung ist immer noch oberstes Ziel der Banken.“
Der „alternative“ Banker Martin Rohner: „Die Gewinnmaximierung ist immer noch oberstes Ziel der Banken.“

In der reformierten Kirchgemeinde Zürich-Wipkingen drehte sich am Samstag alles um das liebe Geld. Der Leiter des Bildungszentrums Bienenberg, Lukas Amstutz, fand in seinem Referat „Gott oder Mammon?“ gleich einen steilen Einstieg aus biblisch-theologischer Perspektive zum Thema. „Das Geld muss dienen und nicht regieren.“ Mit diesem Zitat von Papst Franziskus war der Grundtenor der Konferenz gelegt. Geld ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, es kommt vielmehr auf unsere Motive und Haltungen dazu an. Wenn es regiert, tritt es in „Konkurrenz zu Gott“, wenn es der Gesellschaft dient, kann es Gutes bewirken.

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Arme sollten den Zehnten erhalten und nicht bezahlen

Amstutz unterlegte seine Thesen mit einer interessanten Auslegung der Geschichte von der armen Witwe (Markus 12,41-44). Die Witwe sei von Jesus nicht als Vorbild dargestellt worden, sondern als Opfer eines ungerechten Tempelsystems, bei dem sich die Schriftgelehrten bereichern (Markus 12,40). Wer mit Geld Gutes tun wolle, müsse sich auch von der „Wohltäter­mentalität“ verabschieden, mit welcher die Reichen durch grosszügige Spenden versuchten, ihren Einfluss zu sichern. Es brauche dagegen eine „Umverteilung der Mittel“, die tatsächlich für neue Machtverhältnisse sorgt. In der Gemeinde könnte das heissen, das sozial schwache Mitglieder den Zehnten nicht geben, sondern erhalten sollten. „Wer reich ist, begibt sich so auf eine Ebene mit den Schwachen. „Es geht eigentlich um eine Beteiligung der Schwachen an der Macht“, sagte Amstutz. Und das werde sehr herausfordernd.

Ökologischer Fussabdruck der Schweiz: dreimal die Erde

Andrea Ries, Spezialistin für nachhaltige Entwicklungsfinanzierung beim DEZA, betonte, dass es weiterhin konkrete Massnahmen brauche, um die bestehenden Ungleichheiten in den Entwicklungsländern auszugleichen. „Wir leben auf einer Welt und nicht auf fünf oder sechs Welten“, so Ries. Wenn alle Menschen so lebten würden wie wir Schweizer, bräuchte es „drei Erden“, gab sie zu bedenken. Der Dialog, die Diskussion sowie Wissen über die nachhaltige Entwicklungsfinanzierung seien eminent wichtig, um den bestehenden Herausforderungen gerecht zu werden.

VIDEO: Podiumsdiskussion „Ist der Gewinn das Wichtigste?"

Banken brauchen „Transparenz auf der ganzen Linie“

Martin Rohner, der Geschäftsführer der „Alternativen Bank Schweiz“ und Banker des Jahres 2016 hielt fest, dass Gewinnmaximierung noch immer das oberste Ziel der Finanz­branche sei. Zuerst hob er jedoch hervor, was die Banken Gutes tun: den reibungslosen Zahlungsverkehr sicherstellen, Finanzierung von Unternehmen und Liegenschaften ermöglichen, Arbeitsplätze schaffen (56 Prozent arbeiten in der Schweiz im Finanzsektor). Dennoch würden sich die Banken vor allem dem „Diktat des Marktes“ unterwerfen, so Martin Rohner. Damit die Banken verantwortungsvoller mit dem Geld umgehen brauche es gemäss Rohner drei Dinge: eine klare Absage an die Gewinnmaximierung, einen klaren Werterahmen, der festlegt, was die Bank mit dem Geld macht und drittens „Transparenz auf der ganzen Linie“. Es müsse für den Kunden sofort ersichtlich sein, wo die Bank sein Geld genau investiert. Rohner sieht nicht nur die Banken selbst, sondern auch die Politik und die Behörden in der Pflicht, für verbindliche Werte und Normen zu sorgen.

VIDEO: Podiumsdiskussion „Wir versuchen mit 4000 Franken zu leben“

Von abbaubaren Kaffeekapseln  

Über Geld wurde StopArmut-Konferenz aber nicht nur diskutiert, die Teilnehmenden konnten sich auch praktisch damit befassen. Im „Dorf der Möglichkeiten“ zeigten 25 Organisationen wie sie sich für mehr Fairness einsetzen. Das Aussteller-Dorf war in die Bereiche FAIRstehen, FAIRteilen, FAIRmehren unterteilt. Biologisch abbaubare Kaffeekapseln, Schweizer Käse-Delikatessen aus nachhaltiger Produktion, eine fair hergestellte Umhängetasche und vieles mehr wurde auf dem Fairtrade-Markt verkauft.  

„Weltverändernde“ Mischung

Rebecca Stankowski, Hauptorganisatorin der StopArmut-Konferenz, zeigte sich über die positive Resonanz der Konferenz erleichtert und sehr erfreut: „Dass man in der Schweiz nicht über Geld redet, scheint klar. Deshalb freut es mich umso mehr, dass sich heute so viele Leute mit diesem Thema auseinandersetzen wollten.“ An der Konferenz wurde auch für ein Plastikrecycling-Projekt in Bénin gesammelt. „Die Mischung aus Verstehen und Handeln ist es, welche die Welt verändert“, so Rebecca Stankowski.

(chb/StopArmut)     

www.stoparmut.ch

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