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Kirchentagspräsident
26. September 2018

Evangelischer Kirchentag beschließt AfD-Boykott

Der Kirchentagspräsident, der Journalist Hans Leyendecker. Foto: DEKT/robert gross photography
Der Kirchentagspräsident, der Journalist Hans Leyendecker. Foto: DEKT/robert gross photography

Dortmund (idea) – Auf den Podien beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund werden keine AfD-Repräsentanten sitzen. Das hat das Kirchentagspräsidium in seiner Sitzung am 21. September beschlossen. Wie der Kirchentagspräsident, der Journalist Hans Leyendecker (Leichlingen, Bergisches Land), in einem Interview mit der ZEIT-Beilage „Christ & Welt“ (Hamburg) sagte, sind „Wähler und Sympathisanten der AfD“ ausdrücklich eingeladen, nicht aber Repräsentanten der AfD für Podien und Diskussionsveranstaltungen: „Dem Kirchentag geht es ums Zuhören, aber ich möchte nicht Herrn Gauland zuhören.“ 2017 hatte die evangelische Laienorganisation beim Kirchentag noch AfD-Politiker als Teilnehmer auf Podien und Diskussionsveranstaltungen zugelassen. Die AfD entwickle sich, so Leyendecker, „rasend weiter nach rechts, die Radikalisierung der Partei schreitet voran“. Er wolle niemanden auf einem Podium haben, „der der Auffassung ist, die Demokratie muss weg“. Er warne davor, auf das „Opfer-Märchen“ der AfD hereinzufallen: „Diese Partei wird sich immer als Opfer darstellen, ganz egal wie die demokratischen Kräfte sich verhalten.“ Ihm sei bewusst, dass auch Kirchentagsbesucher Sympathien für die AfD empfinden könnten: „Die populistische Versuchung kann durchaus auch in unseren Reihen Wirkung entfalten.“ Dass die AfD im Gegensatz zu 2017 nun im Bundestag vertreten sei, ändere nichts daran, „dass sie auf dem Weg zu einem Frontalangriff auf die liberale Demokratie ist“. Der AfD-Boykott gelte nicht für Gottesdienste. Wenn der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, zum Eröffnungsgottesdienst kommen wolle, werde er einen Platz bekommen, so Leyendecker.

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Religionspolitischer Sprecher der AfD: Leyendecker praktiziert SPD-Klientelpolitik

Der religionspolitische Sprecher der AfD im Bundestag, Volker Münz, kritisierte die Entscheidung: „Wenn kirchliche Funktionäre nicht mehr in der Lage oder nicht mehr willens sind, ihren überparteilichen Auftrag wahrzunehmen und für einen gleichberechtigten Dialog zu sorgen, spalten sie die Gesellschaft und machen sich selbst und ihre Botschaft unglaubwürdig.“ Toleranz, Meinungsfreiheit und Nächstenliebe gelte anscheinend eben doch nicht allen, sondern besonderen Auserwählten, sagte er auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Leyendecker warf er „SPD-Klientelpolitik statt Christentum“: vor: „Mit ‚Kirche‘ hat das nichts mehr zu tun. Das Kirchenvolk wird es registrieren.“ Leyendecker ist Mitglied der SPD. Der Kirchentag findet vom 19. bis 23. Juni 2019 statt und steht unter der Losung „Was für ein Vertrauen“. Das Motto nimmt Bezug auf den alttestamentlichen Vers in 2. Könige 18,19. Der Veranstalter erwartet rund 100.000 Dauerteilnehmer zu den etwa 2.500 geplanten Einzelveranstaltungen.

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