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Mexiko
11. Februar 2021

Evangelischer Bevölkerungsanteil in Mexiko gestiegen

Die mexikanische Nationalflagge. Bild: unsplash.com
Die mexikanische Nationalflagge. Bild: unsplash.com

Mexiko-Stadt (IDEA) – In Mexiko liegt der Anteil der evangelischen Bürger erstmals über zehn Prozent. Das geht aus der jüngst veröffentlichten Volkszählung im Jahr 2020 hervor. Ihr zufolge bezeichnen sich 11,2 Prozent der 126 Millionen Einwohner als Protestanten oder Evangelikale. Bei der Erhebung von 2010 waren es noch 7,5 Prozent. Auch wenn das Land weiterhin die Nation mit der zweitgrößten Anzahl von Katholiken ist, ist ihr Anteil deutlich gesunken: Lag er 1950 bei 98,2 Prozent, waren es 2000 noch 87,9 Prozent und heute 77,7 Prozent.

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Die Zahl der Religionslosen ist gewachsen: Von 4,7 Prozent im Jahr 2010 auf 8,1 Prozent (10,2 Millionen). Erstmals erfasste die Statistik auch Personen, die sich als gläubig, aber ohne Religionszugehörigkeit bezeichnen (2,5 Prozent). Darüber hinaus leben aktuell rund 60.000 Juden sowie knapp 8.000 Muslime in Mexiko.

Religion verliert Relevanz im Alltag

Für den stetigen Rückgang der Katholiken sieht die Onlinezeitung „Yucatan Times“ unterschiedliche Gründe: Zum einen sei es die für die junge Generation „altmodische“ Haltung der Kirche gegenüber Themen wie Abtreibung und Ehe für alle.

Doch auch die Distanz der Kirchenvertreter zu ihren Anhängern und die der Relevanzverlust von Religion im Alltag hätten dazu beigetragen. Die Zahl der „Gläubigen ohne Religion“ zeige jedoch auch, dass es Menschen gebe, die sich zwar zu keiner Religionsgemeinschaft zählen aber, sehr wohl spirituell seien.

Wachstum wegen Mission

Den Grund für das rasche Wachstum des evangelischen Bevölkerungsanteils sieht der mexikanische Religionssoziologe Roberto Blancarte im missionarischen Einsatz der Protestanten. Dieser habe besonders in Gegenden mit indigener Bevölkerung und weniger starker katholischer Präsenz Früchte getragen, sagte er gegenüber dem US-Magazin „Christianity Today“ (Christentum heute). So seien beispielsweise in den südlichen Bundesstaaten Chiapas und Tabasco mehr als 35 Prozent der Bevölkerung evangelisch.

Für die Koordinatorin der Abteilung für Bibelübersetzung bei der Missionarischen Zusammenarbeit von Mexiko (Comimex), Rosa Duarte de Markham, spiegelt das gegenwärtige Wachstum die Sehnsucht der mexikanischen Bevölkerung nach Moral und familiären Werten wider, die die Evangelikalen hochhielten. Laut „Christianity Today“ dominiert heute die Pfingstbewegung die protestantische Gemeindelandschaft in Mexiko.

Auch andere Freikirchen wie Baptisten, Presbyterianer und Methodisten hätten in einigen Praktiken und Glaubensüberzeugungen pfingstkirchliche Züge angenommen. Der Leiter der Mexikanischen Evangelischen Allianz, Cirilo Cruz, erklärte, dass die evangelische Bevölkerung zwar weiterhin eine Minderheit sei, aber die Regierung nehme sie nun wahr und beziehe sie ein.