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Esoterik
28. Januar 2018

Esoterik und Christentum – ein Konflikt

Diskutierten über Christentum und Esoterik: (v.l.) Peter Schulthess, Ingrid Grave, Rebecca Grzesik, Claude Hitz, Samuel Jakob, Irene Gysel. Foto: Daniel Wagner
Diskutierten über Christentum und Esoterik: (v.l.) Peter Schulthess, Ingrid Grave, Rebecca Grzesik, Claude Hitz, Samuel Jakob, Irene Gysel. Foto: Daniel Wagner

Zürich (idea) - An der Podiumsveranstaltung "Esoterik und Christentum - ein Konflikt?", die von der Stiftung der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Zürich am 19. Januar in der St.-Anna-Kapelle ausgetragen wurde, standen die verbindenden Elemente im Vordergrund. Geworben wurde für Toleranz, zumal sich Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten von kirchlichen Kreisen oft ausgeschlossen fühlten. Widersprüche wurden kaum ausgemacht.

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Eklat als Auslöser

Das von bibeltreuen Christen abgelehnte esoterische Weltbild wurde von fünf Exponenten erörtert. Der Notfallseelsorger Peter Schulthess war 23 Jahre reformierter Pfarrer in Pfäffikon ZH. Als Buchautor befasste er sich unter anderem mit Engeln und unsichtbaren Wirklichkeiten. Die katholische Ordensfrau Ingrid Grave ist bekannt von der TV Sendung "Sternstunde Religion". Rebecca Grzesik bezeichnet sich als "Spiritual Healer", geistliche Heilerin. Sie hat einen katholischen Hintergrund. Claude Hitz arbeitet als Medial-Therapeut und hat reformierte Wurzeln. Er berichtete von seinem, wie er sagt, "befreienden Nahtod-Erlebnis" und seinem Weg zum Heiler. Samuel Jakob, reformiert, ist Psychologe, Esoteriker und Beirat im ­St.-Anna-Forum. Irene Gysel, Präsidentin der theologisch liberal denkenden Stiftung der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Zürich, moderierte den Abend.

Auslöser dieses Anlasses, der von rund 100 interessierten Personen besucht wurde, war eine von Claude Hitz geleitete "Kraft-Heil-Meditation", die am 28. Oktober 2017 in der St.-Anna-Kapelle stattfand (idea-Spektrum 44/2017). Damals kam es zu Protesten. Christen, die sich in der Kapelle regelmässig zum Gottesdienst versammeln, gingen auf die Strasse. Sie waren nicht einverstanden damit, dass die Kapelle für esoterische Rituale vermietet worden war.

"Schon Jesus hat geheilt"

Rückblickend auf die Ereignisse vom Spätherbst war man sich in der Runde einig, dass im Bereich der Esoterik auch viel Unfug betrieben werde. Es gelte zu prüfen, was authentisch sei. Jesus habe geheilt und gesagt, dass seine Jünger in Zukunft dasselbe tun sollen. Rebecca Grzesik betonte, in ihrer esoterischen Tätigkeit "von Gott getragen" zu sein: "Er hat mir gesagt, ich soll loslassen und mich von ihm führen lassen." Man war sich weitgehend einig, dass in Sachen Heilung der Mensch mit Körper und Geist als Gesamtes betrachtet werden müsse. Es gelte, den Ursachen auf den Grund zu gehen, statt nur Symptome zu bekämpfen. Schulmedizin und alternative Medizin müssten enger zusammenarbeiten, ist Claude Hitz überzeugt. Nachhaltige Heilung funktioniere bei ihm nur, wenn der Patient auch wirklich bereit sei, sich auf das Thema einzulassen. Auch das Thema Vergebung kam im Zusammenhang mit der unsichtbaren Welt und übersinnlichen Kräften zur Sprache. Peter Schulthess: "Wie oft realisieren wir, dass wir Mitmenschen nicht vergeben wollen oder vergeben können. Wenn wir in aufrichtiger Beziehung mit Jesus Christus stehen, merken wir, dass Vergebung von ganzem Herzen auf einmal doch möglich wird."

Wenig kontrovers

Mit der Fragestellung verknüpfte und zu erwartende Kontroversen sowie der Aufmarsch der damals protestierenden Christen blieben aus. Das Podiumsgespräch verlief harmonisch und war für die Zuhörer inhaltlich teils schwer fassbar. Offensichtlich war, dass das Verbindende zwischen Christentum und Esoterik gesucht wurde. Einzig Susanne Schuppli, Pfarrerin und Präsidentin der Evangelisch-kirchlichen Vereinigung in der Schweiz, sprach kritische und mahnende Worte aus. Mit ihrem Transparent "Geister beschwören und Tote befragen, das ist dem Herrn ein Gräuel" (5. Mose 18, 11) machte sie am Schluss der Veranstaltung deutlich auf ihr Anliegen aufmerksam. (Autor: Daniel Wagner)

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