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Lukas Kundert
18. Mai 2017

Die Reformierten brauchen einen Bischof!

Kirche als Familie, die Anerkennung zu üben hat: Lukas Kundert. Foto: Peter Schmid
Kirche als Familie, die Anerkennung zu üben hat: Lukas Kundert. Foto: Peter Schmid

Der Basler Kirchenratspräsident fordert mit einer Schrift klarere Strukturen für die Reformierte Kirche in der Schweiz. Insbesondere brauche es eine geistliche kraftvolle Leitung. Dies könnte ein Bischof sein. Kundert ist sich bewusst, dass er dafür nicht nur Begeisterung erntet. Das zeigte auch ein Anlass in Aarau.

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„Ich plädiere dafür, dass das Präsidium der schweizerischen evangelischen Kirche den Titel Bischöfin oder Bischof trägt“, schreibt Lukas Kundert ungeniert. In seinem eben erschienenen Buch „Die evangelisch-reformierte Kirche – Grundlagen für eine Schweizer Ekklesiologie“ stellt er aber auch fest, dass in der Öffentlichkeit mit dieser Bezeichnung Machtansprüche verbunden seien, weil dieser Titel vom Bischofsamt der römisch-katholischen Kirche geprägt sei.

Ein Bischof, wie ihn die Reformierten wollen

Kundert versucht, diese Ängste abzubauen: „Alle gesetzgeberische Gewalt geht von der Gemeinde und der Synode aus“, betont er. „Es soll jenes Bischofsamt sein, das sich die Reformatoren gewünscht haben: Ein von der Basis kontrolliertes und gewähltes Amt, das von unten nach oben in seinen Funktionen ausgerüstet und beschnitten wird.“

Auf das Argument, ein Präsidium sei der Schweizer Mentalität angemessener, kontert er: „Nein, und zwar weil wir eine Kirche sind. Weil sich die personale Episkopé (bischöfliche Leitung) als eine geistliche Leitungsfunktion von der Leitungsfunktion eines (Vereins- oder Unternehmens-)Präsidenten unterscheidet.“

Widerstand gegen zu viel geistliche Leitung?

In einem Interview mit dem „Interkantonalen Kirchenboten“ klingt das noch etwas konkreter: „Unser jetziger Kirchenbundpräsident leitet bereits geistlich. (…) Doch man verweigert ihm weitgehend, dass seine geistliche Leitung auch Wirkung entfalten darf.“ Wie kontrovers das Thema bei den Reformierten behandelt wird, zeigte am Freitag (12. Mai 2017) auch eine Diskussionsrunde von Pfarrerinnen und Pfarrer der Reformierten Landeskirche Aargau.

Im interkantonalen Kirchenboten verweist Kundert auf den geschichtlichen Hintergrund: „In der Reformationszeit rechnete man damit, dass der Bischof evangelisch werde. Als dies nicht geschah, übernahm der Rat der Städte quasi vorübergehend die Funktion des Bischofs.“ Da die Stadtregierungen diese Funktion im Zuge der Trennung von Kirche und Staat seit dem 19. Jahrhundert abgegeben hätten, sei ein Vakuum entstanden. Das Bischofsamt sei, im Unterschied zur herrschenden Meinung, in den evangelischen Kirchen der Schweiz nie abgeschafft worden. Nun gelte es, auf dieses biblische Funktion zurückzukommen.

Gut für internationale Kontakte

Kundert verweist auch auf das Argument, das vom amtierenden SEK-Präsidenten Gottfried Locher vorgebracht wird: Bei Kontakten mit ausländischen Kirchen wären Gespräche viel einfacher, wenn die Kirchenleiter auch aus der Schweiz einen ebenbürtigen Partner in ähnlicher Funktion vorfinden würden. An der Bezeichnung selbst solle es aber nicht liegen, so Kundert in einem Interview mit dem Kirchenboten. Wichtiger sei ihm der Gehalt des Bischofsamtes.

(Fritz Imhof/Livenet.ch)

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