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Homophobie-Vorwurf
10. Juni 2017

Deutsche Evangelische Allianz kritisiert Süddeutsche Zeitung scharf

Das Verlagsgebäude, in dem auch die Redaktion der Süddeutschen Zeitung untergebracht ist. Foto: picture-alliance/dpa
Das Verlagsgebäude, in dem auch die Redaktion der Süddeutschen Zeitung untergebracht ist. Foto: picture-alliance/dpa

Bad Blankenburg (idea) – Die Deutsche Evangelische Allianz (Bad Blankenburg) hat einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung (SZ) scharf kritisiert. Sie fordert in einem Brief an die SZ-Chefredaktion unter anderem wegen „verleumderischer Behauptung“ eine Richtigstellung. Konkret geht es um einen Beitrag vom früheren Leiter der SZ-Wissenschaftsredaktion Martin Urban unter der Überschrift „,Alternative Fakten’ für die Gläubigen“ vom 19. Mai. Darin schreibt er, dass archaische Vorstellungen Konjunktur hätten. Es gehe um den innerkirchlichen Kampf gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften im evangelischen Pfarrhaus, gegen modernen Biologieunterricht, „gegen Flüchtlinge – Letzteres ausgerechnet von ,russlanddeutschen’ Evangelikalen –, oder die von Extremisten unter den Sektierern praktizierte angeblich gottgewollte Prügelstrafe für Kinder“. Jeder an einer staatlichen Universität in Deutschland ausgebildete protestantische Theologiestudent lerne, dass die Bibel nicht wörtlich zu verstehen sei. Doch viele Pfarrer würden offensichtlich auf der Kanzel das im Studium Gelernte rasch wieder vergessen. Weiter heißt es, dass ein „postfaktischer Ansatz“ dazu führe, „dass heute besonders unter den russischen Orthodoxen, den polnischen Katholiken oder den deutschen Evangelikalen die Homophobie ein biblisch begründetes Markenzeichen der Fundamentalisten ist“.

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Die Allianz steht Lesben und Schwulen nicht feindselig gegenüber

Wie der Allianzvorsitzende, Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr), und sein Stellvertreter, Siegfried Winkler (München), schreiben, tut Kritik weh, müsse aber sein, wenn sie berechtigt sei. Auch an den Rändern der evangelikalen Szene gebe es „schwarze Schafe“. Was aber Urban berichte, sei schlecht recherchiert und werfe „so viele Phänomene in einen Topf, dass man es auch beim besten Willen nicht als konstruktive Kritik deuten kann“. Das lasse an der Qualität der geleisteten journalistischen Arbeit zweifeln. Der pauschale Vorwurf der Ablehnung von Flüchtlingen durch Russlanddeutsche sei verleumderisch. Die Formulierung „Extremisten unter den Sektierern“ unterstelle der evangelikalen Bewegung pauschal Sektierertum. Ein Großteil sei jedoch in traditionellen Landes- und Freikirchen beheimatet, „auch freie Gemeinden und Werke verdienen diesen Generalverdacht nicht“. Homophobie bezeichne, so Vetter und Winkler, eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion beziehungsweise Feindseligkeit: „Die Deutsche Evangelische Allianz hat weder Angst vor Lesben und Schwulen noch steht sie ihnen feindselig gegenüber.“ Sie setze sich für die traditionelle Ehe von Mann und Frau ein: „Daraus lassen sich weder Diskriminierung noch Aversionen noch Feindseligkeiten ableiten.“ Die Allianz erwarte neben einer Richtigstellung auch eine Entschuldigung des Autors.

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