Donnerstag • 25. Mai
Kirchentagspräsidentin
12. Mai 2017

„Der Kirchentag hat es nicht nötig, sich mit Politikern zu schmücken“

Die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Prof. Christina Aus der Au. Foto: DEKT/Jens Schulze
Die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Prof. Christina Aus der Au. Foto: DEKT/Jens Schulze

Wetzlar (idea) – Die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Prof. Christina Aus der Au (Zürich), hat die Einladung des früheren US-Präsidenten Barack Obama zum Kirchentag in Berlin verteidigt. „Der Kirchentag hat es nicht nötig, sich mit Politikerinnen und Politikern zu schmücken“, sagte Aus der Au in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Vielmehr gehe es darum, den Dialog mit Menschen unterschiedlicher Herkunft zu führen. Zum Kirchentag werden vom 24. bis 28. Mai etwa 100.000 Dauerteilnehmer in Berlin und der Lutherstadt Wittenberg erwartet. Obama wird am 25. Mai mit Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Brandenburger Tor über Weltverantwortung und Politik sprechen. Dabei gehe es nicht um den Wahlkampf der Bundeskanzlerin, so Aus der Au. Die beiden Politiker würden über Themen sprechen, die die Gesellschaft etwas angingen. Mit Obama habe man eine Persönlichkeit gewonnen, die „aus protestantischer Verantwortung heraus eine sehr verantwortliche Position innehatte“. Er werde über die Gestaltung von Demokratie und Weltverantwortung Auskunft geben.

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„AfD-Bashing“ ist eines Christen nicht würdig

Aus der Au äußerte sich auch zur geplanten Diskussion zwischen der Bundessprecherin der Vereinigung „Christen in der AfD“, Anette Schultner (Hameln), und dem Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge. Nach Worten von Aus der Au will der Kirchentag die kritische Auseinandersetzung mit der AfD suchen, ohne „Bashing“ zu betreiben: „Das wäre billig und eines Christen nicht würdig.“ Allerdings müsse die AfD-Vertreterin damit rechnen, dass ihr Dröge und ein Großteil des Kirchentagspublikums widersprechen werden. Aus der Au: „Ich bin gespannt, wie Frau Schultner ihr Christsein mit der Ausländerfeindlichkeit, Hetze und Geschichtsklitterung der AfD zusammenbringt.“

„Judenmission hat etwas von Ignoranz und Überheblichkeit“

Ferner bekräftigte Aus der Au den Ausschluss von messianischen Juden vom Kirchentag. Juden müssten nicht erst über den christlichen Weg zu Gott finden, sondern seien bereits Gottes Volk. Daher sei es nicht nötig, Juden zu missionieren. Die Frage nach dem jüdisch-christlichen Verhältnis berühre den Kern des Selbstverständnisses des Kirchentages. Es sei aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges gewonnen worden. Judenmission habe etwas von Ignoranz und Überheblichkeit und sei mit dem Kirchentag unvereinbar. Messianische Juden glauben an Jesus Christus als ihren Erlöser.

„Die Rettung darf nicht am Glauben des Einzelnen hängen“

Zur Frage, ob Menschen ohne Jesus Christus ewig verloren seien, sagte Aus der Au, Christus sei Mensch geworden, um die Menschheit in seiner Person selig zu machen: „Wenn wir Gnade ernst nehmen, darf die Rettung nicht am Glauben des Einzelnen hängen, sondern ist Gnade für die ganze Welt.“ Der Kirchentag sei keine Missionsveranstaltung, sondern führe den Dialog: „Wir sehen Menschen anderen Glaubens nicht als Missionsobjekt, die den Kirchentag als Christen verlassen sollen.“ So führe man Dialog-Bibelarbeiten auch mit Atheisten, Juden oder Muslimen. Aus mehreren Perspektiven lasse sich die Bibel besser verstehen als nur aus einer. So lerne man etwas über seinen eigenen Glauben und entdecke dabei blinde Flecken. Für die Zuhörer seien diese Dialoge eine Bereicherung.

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