Dienstag • 21. November
Festakt zum Reformationsjubiläum
31. Oktober 2017

Bundeskanzlerin Merkel: Das Erbe der Reformation wachhalten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach bei einem Festakt aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums am 31. Oktober in der Lutherstadt Wittenberg. Foto: picture-alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach bei einem Festakt aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums am 31. Oktober in der Lutherstadt Wittenberg. Foto: picture-alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Lutherstadt Wittenberg (idea) – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dazu aufgerufen, das Erbe der Reformation wachzuhalten. Die reformatorische Haltung ermutige dazu, Verantwortung zu übernehmen und die Welt zum Guten zu verändern, sagte sie bei einem Festakt aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums am 31. Oktober in der Lutherstadt Wittenberg. Die Reformatoren hätten ein modernes Verständnis vom Menschen entwickelt, wonach er zur Freiheit berufen, mündig und verantwortlich sei. Zwar gebe es keine direkte Linie von der Reformation zu Demokratie und Verfassungsstaat, dennoch sei die Reformation eine treibende Kraft für gesellschaftliche und politische Erneuerung. Als „beeindruckend“ bezeichnete Merkel die Vielzahl der Veranstaltungen zum 500. Reformationsjubiläum. In besonderer Erinnerung sei ihr der Versöhnungsgottesdienst von Katholiken und Protestanten im März in Hildesheim geblieben.

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Toleranz ist die Seele Europas

Nach Merkels Worten ist Toleranz die Seele Europas. Jeder Mensch solle nach seiner Glaubensüberzeugung leben können, ohne Diskriminierung fürchten zu müssen. Allerdings ende Toleranz dort, wo die grundgesetzlich verbürgten Werte missachtet würden. Interreligiöser Dialog gelinge dann, wenn man sich des eigenen Glaubens vergewissere und ihn selbstbewusst vertrete. Dafür sei religiöse Bildung nötig. Als gemeinsame Aufgabe von Politik und Kirche bezeichnete Merkel den Einsatz für Religionsfreiheit. Dies widerspreche nicht der Trennung von Kirche und Staat. Die Würde des Menschen zu achten und zu schützen, sei ein universeller Auftrag. Dies gelte auch für die Gewährleistung der Religionsfreiheit. Wo man sie einschränke, sei es auch um die gesellschaftliche Entwicklung insgesamt schlecht bestellt.

Ministerpräsident Haseloff: Die Reformation strahlt in alle Welt aus

Weitere Politiker sprachen Grußworte. Der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), sagte, die Reformation strahle in alle Welt aus. Die Völker der Welt schauten am 31. Oktober 2017 auf Wittenberg. Die Reformation habe die Welt nachhaltig geprägt und tue dies immer noch. Sie finde weltweit Millionen Nachfolger und habe bleibende Identität gestiftet. Die Reformation sei ein dynamischer Prozess. So sei es erfreulich, dass das ökumenische Vertrauen zwischen den Kirchen gewachsen sei. Haseloff erinnerte daran, dass der Reformationstag in der DDR abgeschafft wurde. Es gebe allen Grund dankbar zu sein, dass er nun erstmals deutschlandweit als Feiertag begangen werde.

Bundeskulturbeauftragte Grütters: Luther ebnete den Weg in das heutige Gemeinwesen

Die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters (CDU), vertrat die Ansicht, dass Luther mit seiner Streitbarkeit und seinem verwegenem Mut den Weg in das heutige Gemeinwesen geebnet habe. Seine eigenen Überzeugungen habe er bisweilen mit „fundamentalistischem Wahrheitsfuror“ verteidigt. Manche seiner Schriften seien von Hass und Ausgrenzung gekennzeichnet. Luther lehre, ein Fragender zu bleiben und nicht nur dem Glauben sondern auch dem Zweifel Raum zu geben.

Ungarischer Staatspräsident Áder: Wie sich der Protestantismus in Ungarn verbreitete

Der ungarische Staatspräsident János Áder (Budapest) erklärte, die Reformation habe zur Glaubens- und Gewissensfreiheit in Ungarn beigetragen. Für die schnelle Verbreitung des Protestantismus habe geholfen, dass im 16. Jahrhundert über 1.000 Ungarn in Wittenberg studiert hätten. Zu den Geschenken der Reformation gehörten das Recht, Fragen zu stellen, die Suche nach Wahrheit sowie der Unterricht in der eigenen Muttersprache. Die Freiheit des Glaubens und des Gewissens seien höher zu schätzen als Gold.

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