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tsc-Rektor Benedikt Walker
03. Januar 2019

"Botschafter des Friedens werden"

tsc-Rektor Bendikt Walker:
tsc-Rektor Bendikt Walker: "versöhnungsarbeit beginnt bei mir." Foto: zvg

Benedikt Walker, was ist Ihnen im neuen beruflichen Umfeld besonders wichtig?

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Ich bin überzeugt, dass wir Christen eine Botschaft in diese Welt hinein haben. Speziell erwähnen möchte ich die beiden Begriffe Hoffnung und Versöhnung. Hier sollten wir als Christen Kompetenzen aufweisen, die von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Leider ist dies nicht so. Ich möchte dazu beitragen, dass Christen als versöhnte Hoffnungsträger unterwegs sind und so wahrgenommen zu werden.

Christen werden unterschiedlich wahrgenommen. Wie nehmen Sie das wahr?

Glaube und Religion sind wesentliche Aspekte in meinem Leben und prägen mein Denken und Handeln. Wir bewegen uns aber in einer Gesellschaft, die nicht religiös sozialisiert ist. Darum stellt sich die Frage: Sind wir fähig, uns ausserhalb der (frei-)kirchlichen Szene verständlich zu machen? Ich befürchte Nein.

Wo liegt das Problem?

Wir leben in einer Gesellschaft, die langsam aber je länger vergisst, dass Gottes Existenz relevant sein könnte. Folge ist, dass der Mensch sich selber an seine Stelle setzt und zum Schöpfergott wird. Diese Vorstellung macht mir Angst.

Die Jahreslosung fordert uns auf, dem Frieden "nachzujagen". Wie interpretieren Sie das?

Nachjagen ist eine aktive Handlung mit Leidenschaft und Schweiss. Beim Jagen habe ich auch ein Ziel vor Augen. Dieses Ziel motiviert und inspiriert mich, Wege zu suchen. Oft ist der direkte Weg nicht zielführend. So bin ich gefordert, kreativ zu sein und Zusatzschlaufen zu machen. Die Jahreslosung fordert mich auf, mit dieser Leidenschaft den Frieden zu suchen. Das schliesst speziell auch jene Menschen, über die ich mich regelmässig ärgere.

Vom (Welt-)Frieden sind wir weit entfernt. Warum leben die Menschen nicht in Frieden?

Dies ist eine hochspannende und komplexe Frage. Dazu gibt es etliche Bücher mit Argumentationsansätzen. 

Ich stelle die Frage zuerst mir selber: Warum lebe ich nicht im Frieden mit meinem Umfeld? Mich bewegt seit Monaten eine weitere Frage: Wie weit bin ich mit meiner Person, meiner Geschichte und mit den Menschen um mich versöhnt? Ich muss immer wieder bei mir selber beobachten, dass viele Konflikte die Folge von unversöhnten Begegnungen sind. Das beginnt in der Familie und am Arbeitsplatz.  

Christen als Friedensstifter und "Brückenbauer"?

Christen haben das Potenzial, Friedensstifter und "Brückenbauer" zu sein. Versöhnungsarbeit und Mediation sollten theoretisch eine Kernkompetenz der Christen sein. So gibt es viele schöne Beispiele. Grundsätzlich gilt auch hier: Die Versöhnungsarbeit beginnt bei mir und nicht mit Forderungen an andere.

...wie kann das gelingen?

Ich habe kein Rezept, das ein Gelingen garantiert. Ich erlebe zum Beispiel das Abendmahl als Aufforderung, Versöhnungsarbeit zu leisten. Im Abendmahl werde ich mit meiner Menschlichkeit konfrontiert und aufgefordert, Konflikten in die Augen zu schauen und auf meine Geschwister zuzugehen. Dies hilft einer Gemeinschaft, versöhnt unterwegs zu sein. Dies ist einer der Gründe, weshalb wir am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) regelmässig das Abendmahl feiern.

Worum geht es beim Frieden stiften?

David verwendet im Psalmvers der Jahreslosung den Begriff "nachjagen". Das bedeutet: Ich muss aktiv werden und mich bewegen. Es ist nicht zielführend, wenn ich passiv auf sitzenbleibe und abwarte.

...aber doch innerlich getrost bleibe?

Es ist nicht meine Aufgabe, die Welt zu retten. Ich darf mich mit einer inneren Gelassenheit einsetzen.

Interview: Thomas Feuz

Zur Person: Benedikt Walker (50), verheiratet mit Marianne, drei Kinder im Alter von 24, 22, 19. Seit 2016 Rektor Theologisches Seminar St. Chrischona; zuvor Studierendenarbeit VBG und Gesamtleitung Schweiz (1995-2015); Chemieingenieurstudium an der ETH, Abschluss mit Promotion.

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