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Gemeinsame Verpflichtung
21. Mai 2016

Bekenntnis zu ganzheitlicher Jugendarbeit

Ganzheitlich gefördert: EMK-Jungschärler im Zeltlager. Foto: Takana/EMK
Ganzheitlich gefördert: EMK-Jungschärler im Zeltlager. Foto: Takana/EMK

Bern (idea/Livenet) - Die Beamten des Bundesamts für Sozialversicherung zückten 2014 überall dort den Rotstift, wo sie bei einem Jugendverband die Glaubensvermittlung als Hauptzweck vermuteten. Die Kinder und Jugendlichen würden instrumentalisiert. Wer christliche Jugendarbeit von innen kennt, reibt sich die Augen. Die Verbände fühlen sich missverstanden. Jetzt reagieren sie. In Zusammenarbeit mit der Jugendallianz verfassten sie eine Charta der christlichen Kinder- und Jugendarbeit. Darin erklären sie Ziele und Arbeitsweise verständlich und transparent. Christliche Jugendarbeit fördere den ganzen Menschen, so lautet die zentrale Aussage. Die Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben ist ein Teil davon.  

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Neue Charta, die nicht "frömmelt"

Während mehr als einem Jahr haben die Organisationen eine Neuformulierung ihrer Absichten ausgearbeitet, sorgfältig geprüft und nun am 19. Mai im hiphop center in Bern-Wankdorf der Öffentlichkeit präsentiert. Die Verantwortlichen räumten ein, dass ihre bisherigen Erklärungen tatsächlich unglücklich formuliert gewesen seien. Der Fokus hätte zu stark auf dem Glauben gelegen, was in einer säkularen Gesellschaft durchaus Nährboden für Missverständnisse bieten könne. Die neue Charta wurde verständlich formuliert, in einer Sprache, die von nicht-christlichen Gremien verstanden wird.

Geistliches Angebot ist integriert

Unter den vier Zielen wird die "Entfaltung durch Auseinandersetzung mit christlicher Spiritualität" zuerst genannt: "(...) Wir fördern die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, indem wir existenziellen Lebensfragen im Kontext der christlichen Glaubenstradition Raum geben. Wir pflegen spirituelle Angebote, die auf dem Leben und der Lehre von Jesus Christus basieren. Dabei ist die Bibel unsere Grundlage. Den Teilnehmenden wird ein Zugang zum christlichen Glauben eröffnet. Diesen verstehen wir als lebenslangen, individuellen Lernprozess." Weitere Ziele sind die Entwicklung der Persönlichkeit, die Stärkung der sozialen Kompetenzen und ein respektvoller Umgang mit der Natur.

Ein Drittel aller Schweizer bevorzugen christliche Lager

Bei der Präsentation der Charta in Bern war Marc Jost, Berner Grossratspräsident, zu Gast. Er persönlich habe christliche Camps sehr positiv in Erinnerung, erzählt Jost, und er befürworte, dass seine Kinder nun auch von christlich motivierten Jugendanlässen geprägt werden. Ganz ähnlich sieht das auch ein beachtlicher Teil der Bevölkerung: In einer repräsentativen Umfrage der Schweizerischen Evangelischen Allianz gaben 42 Prozent der Befragten an, ihr Kind in ein Lager zu schicken, wo biblische Geschichten erzählt werden. Knapp ein Drittel (28 Prozent) der Befragten würden solche Lager sogar anderen Lagern vorziehen.

Charta in Deutsch und Französisch

Die zweisprachig abgefasste Charta nimmt zudem Stellung zur Religions- und Meinungsfreiheit, zur Mitbestimmung, Ausbildung, Prävention, Transparenz und Nichtdiskriminierung. Die Unterzeichner verpflichten sich, die Charta umzusetzen und im Rahmen der Ausbildung ihrer freiwilligen und angestellten Mitarbeitenden zu thematisieren. Jugendorganisationen können die Charta online unterzeichnen.

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