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Bedford-Strohm
28. Oktober 2017

Reformationsjahr: Erwartungen zu hoch geschraubt

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost
Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost

München (idea) – Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), hat sich selbstkritisch zu den großen Veranstaltungen im Reformationsjahr geäußert. Er halte die Debatte um die Besucherzahlen beim Abschlussgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentags in der Lutherstadt Wittenberg zwar für nachrangig, aber man habe die Erwartungen zu hoch geschraubt, sagte er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (München): „Wir hatten unterschätzt, dass nach dem Kirchentag in Berlin viele nicht mehr nach Wittenberg fahren wollten.“ Beim Abschlussgottesdienst sollen offiziell 120.000 Personen dabei gewesen sein. Nach Angaben von Beobachtern waren es allerdings viel weniger.

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„Wir haben unsere Anliegen in die Öffentlichkeit bringen können“

Bedford-Strohm bezog auch zur „Weltausstellung Reformation“ vom 20. Mai bis 10. September in den Wallanlagen von Wittenberg Stellung. Die Zahl der registrierten Besucher verfehlte mit etwa 294.000 die erwarteten 500.000 weit. Viele Menschen hätten zuerst die historischen Lutherstätten in der Stadt besucht, so der EKD-Ratsvorsitzende. Danach hätten sie dann nicht mehr „Lust, Zeit, Kraft“ gehabt, um sich die Weltausstellung anzuschauen. Davon könne man lernen, dass große Veranstaltungen künftig nicht mehr entscheidend sein werden. Das Reformationsjahr habe Millionen Menschen bewegt. Es habe unzählige Veranstaltungen vor Ort in Kirchengemeinden, Dörfern und Städten gegeben. Die Kirche habe Rückenwind bekommen: „Wir haben unsere Anliegen in die Öffentlichkeit bringen können, wie ich es mir nicht erträumt habe.“ Es seien Jahre der Bildung, der intellektuellen Auseinandersetzung und der geistlichen Bewegung gewesen. Man dürfe aber nicht erwarten, dass nun die Mitgliederzahlen steigen, betonte Bedford-Strohm. Zum Stand der Ökumene sagte er, in beiden Kirchen habe sich eine Dynamik entwickelt: „Wir haben gemerkt, dass es dem gemeinsamen Zeugnis schadet, wenn wir uns voneinander abgrenzen.“ Martin Luther (1483–1546) habe nicht die evangelische Kirche gründen wollen, sondern sich für eine religiöse Erneuerung eingesetzt.

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