Samstag • 29. April
Osterbotschaften
17. April 2017

Hört auf, so viel Leid anzurichten

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost

München (idea) – Kirchenvertreter haben in ihren Osterbotschaften an das Leid verfolgter Christen weltweit erinnert und einen umfassenden Schutz menschlichen Lebens sowie den Einsatz für Gerechtigkeit angemahnt. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), rief in seiner Osterbotschaft zum Gebet für die koptischen Christen in Ägypten auf. Bei Anschlägen auf zwei Kirchen waren dort am Palmsonntag 44 Menschen getötet und 126 verletzt worden. Bedford-Strohm forderte ferner „religiöse Fanatiker“, Antisemiten, Nationalisten und brutale Machthaber auf, nicht weiter den Tod anzubeten: „Hört auf, so viel Leid anzurichten. Hört auf, Männer, Frauen und Kinder ins Unglück zu stürzen. Haltet inne und kehrt um zu dem, der den Tod überwunden hat.“

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Landesbischof Ulrich: Ostern ist eine „grundlegende Revolution Gottes“

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Gerhard Ulrich (Schwerin), bezeichnete die Auferstehung Jesu als „grundlegende Revolution Gottes“, mit der sich die Wirklichkeit der Welt fundamental verändert habe: „Keine noch so gigantische Mauer, kein mit Stacheldraht umgürtetes, vermeintlich christliches Abendland, kein ‚Kampf der Kulturen‘ muss sie sichern oder kann sie aufhalten.“ Die „Lebensenergie des Auferstandenen“ strahle über den Kreis der Christen hinaus. „Wer von der Auferstehung berührt ist, gibt sich nicht zufrieden mit Ungerechtigkeit, sozialen Gräben, Gewalt und Hunger.“ Diese Menschen setzten sich für Frieden und Gerechtigkeit ein, „unabhängig davon, ob sie ihr Handeln als religiös motiviert ansehen“.

Bischof Maltzahn: Beziehung zu Christus ist das Wichtigste

Laut dem Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Andreas von Maltzahn (Schwerin), ist es das Wichtigste im Leben, die Beziehung zu Christus nicht aufzugeben. Nach ihm zu fragen und „ihn auf jeder Stufe unseres Lebens neu zu entdecken, zu gewinnen, zu lieben – darauf kommt es an“, sagte von Maltzahn in der St.-Johannis-Kirche Neubrandenburg. Der Bischof mahnte außerdem, „zurückhaltend gegenüber einer Politik militärischen Eingreifens“ zu bleiben: „Denn die Ursachen von Terror und kriegerischer Gewalt werden nicht auf diesem Wege überwunden.“ Der Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Nordkirche, Gothard Magaard (Schleswig), rief dazu auf, die Osterbotschaft als „Ermutigung zum Leben zu hören und daraus Hoffnung zu schöpfen – gerade in Zeiten der Bedrängnis und des Unfriedens“. Die Botschaft von der Auferstehung sei ein „notwendiges Hoffnungszeichen in verwirrenden und friedlosen Zeiten“, so Magaard.

Bischöfin Fehrs: Kirchen nicht zu Festungen machen

Die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche, Kirsten Fehrs (Hamburg), gedachte in ihrer Osterbotschaft der Opfer der Terroranschläge in Berlin, London, St. Petersburg und anderen Städten. Die Taten zeigten die Verwundbarkeit der offenen Gesellschaft. Dennoch sollten Christen ihre „Kirchen nicht zu Festungen machen und ihre Marktplätze nicht zu Hochsicherheitszonen umbauen“. Auch der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July (Stuttgart), gedachte der Opfer des Terrors. Das Böse zeige wieder „seine Fratze“ sagte er in Neuenbürg (bei Pforzheim): „Doch fürchtet euch nicht! Ostern ist da.“

Bischof Janssen: Mord ist Gotteslästerung

Der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister, bezeichnete Ostern als „das menschenfreundliche Gesicht der Religion inmitten allen Leidens, aller Ängste, aller Trauer“. Die Auferstehung sei „eine Kraft, die aus der Kreuzigung kommt und das Leben behutsam und mit Hoffnung durchdringt“. Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Jan Janssen, mahnte zu mehr Achtung und Verantwortung gegenüber der Schöpfung und den Menschen. Gewalt an Gottes Geschöpfen, egal welcher Religion sie angehörten, sei ein Skandal: „Mord an Menschenkindern ist Gotteslästerung.“

Bischof Algermissen kritisiert Abtreibungen

Der (katholische) Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen forderte Christen auf, sich gegen Abtreibung, die Selektion behinderten menschlichen Lebens und gegen die aktive Sterbehilfe einzusetzen, für die „die Politik leider eine Tür geöffnet“ habe. Der Glaube an die Erlösung durch die Auferstehung führe direkt in den Aufstand gegen alle Formen des gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich und militärisch organisierten Todes. Gegen die skrupellosen Attacken, die in immer kürzeren Abständen auf den Lebensschutz versucht würden, müssten Christen zeigen, was der Osterglaube in ihrem Leben vermöge, so Algermissen. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker machte Christen Mut, sich für die „Würde von Kindern, Behinderten, psychisch Kranken und ihren Angehörigen“ zu engagieren. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch warnte vor der Gefahr der Selbstüberschätzung und Selbstüberforderung in der modernen Forschung. Erfüllt zu leben bedeute nicht, „alles leben zu können, sondern in und mit seinen Grenzen erfüllt zu leben“.

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