Donnerstag • 25. Mai
Zum 70. Geburtstag von Rolf Hille
15. Mai 2017

Aus heutiger Sicht war ich „ein Kandidat für eine Abtreibung“

Auch auf der Allianzkonferenz spricht Rolf Hille regelmäßig. Foto: idea/kairospress
Auch auf der Allianzkonferenz spricht Rolf Hille regelmäßig. Foto: idea/kairospress

Heilbronn (idea) – Er macht theologisch konservativen Christen Mut, sich ganz unbefangen „evangelikal“ zu nennen, auch wenn sie – etwa in den Medien – kritisiert werden: Prof. Rolf Hille (Heilbronn). Der württembergische Theologe, der jahrzehntelang die evangelikale Bewegung in Deutschland wie international mitgeprägt hat, vollendet am 15. Mai sein 70. Lebensjahr. Typisch für Evangelikale ist nach seinen Worten die Verwurzelung in der Bibel, das Gebet, die Evangelisation, die konsequent gelebte Nachfolge Jesu Christi – und zunehmend die Übernahme von sozialer und politischer Verantwortung. Hille war ab 1989 zunächst Studienleiter und von 1995 bis 2009 Rektor des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen, das Theologiestudenten und angehende Religionslehrer seelsorgerlich und wissenschaftlich begleitet. Darüber hinaus hatte er zahlreiche Führungsämter in der evangelikalen Bewegung inne. So war er unter anderem Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz (1996–2008) – sie repräsentiert rund 650 Millionen Evangelikale –, der Deutschen Evangelischen Allianz (1994–2000) und des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (1993–2013). Von 2008 bis 2016 amtierte er als Direktor für ökumenische Angelegenheiten der Weltweiten Evangelischen Allianz. In dieser Funktion war er führend am theologischen Dialog der evangelikalen Bewegung mit der römisch-katholischen Kirche beteiligt und traf auch mit Papst Franziskus zusammen. Seit 2013 ist Hille Theologieprofessor an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) in Gießen. Er gehört zur Leitung des „Netzwerks Bibel und Bekenntnis“, das der Evangelist Ulrich Parzany (Kassel) im vergangenen Jahr gegründet hat. Es will alle Christen in Landes- und Freikirchen unterstützen, die sich an der Bibel als Gottes Wort orientieren.

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Neben vielen Erfolgen im Leben eine persönliche Tragödie

Der Theologe verfasste zahlreiche Beiträge für die Evangelische Nachrichtenagentur idea. In einem dankte er zum Muttertag 2012 seiner „Mutter Courage“ Luise. Sie habe ihn 1947 als uneheliches Kind zur Welt gebracht, obwohl das damals eine Schande gewesen sei. Hille: „Nach heutigen Maßstäben wäre ich aus wirtschaftlichen, aber auch psychologischen Gründen ein Kandidat für eine Abtreibung gewesen! Aber meine Mutter hatte den Mut, mich auszutragen.“ Hille – Vater von drei Kindern – musste mit seiner Ehefrau Dorothea eine persönliche Tragödie verkraften. Ein seelisch kranker Sohn nahm sich mit 20 Jahren das Leben. Angesichts einer solchen Erfahrung schrieb er über den Flugzeugabsturz 2015 in den französischen Alpen – dabei ließ der Co-Pilot die Maschine an einem Berg zerschellen (außer ihm kamen 149 Menschen ums Leben): „Es gibt keinen anderen Trost als den beim gekreuzigten Gott.“

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