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Neue Verfassung
08. November 2017

Aus dem Kirchenbund wird die „Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz“

Die 66 Abgeordneten des SEK trafen sich am 6. und 7. November im Berner Rathaus zur Herbstversammlung. Foto: SEK
Die 66 Abgeordneten des SEK trafen sich am 6. und 7. November im Berner Rathaus zur Herbstversammlung. Foto: SEK

Die Mitgliedkirchen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) diskutierten bei ihrer Herbst-Abgeordnetenversammlung im Berner Rathaus über den Entwurf einer neuen Verfassung. Diese soll dem Bund mehr Gewicht gegenüber den föderalistisch organisierten Einzelkirchen geben. Die Debatte führte noch zu keinem Ergebnis und wird im April 2018 bei einer ausserordentlichen Abgeordnetenversammlung weitergeführt. Auf einen neuen Namen konnten sich die 66 Delegierten aber bereits einigen: In Zukunft soll aus dem SEK die „Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz“ (EKS) werden. Zudem wurde über die letzten Projekte zum Reformationsjubiläum auf nationaler Ebene informiert.

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Wort des Ratspräsidenten: Once in a Lifetime!

Ratspräsident Gottfried Locher hielt am Montag seine traditionelle Ansprache. Als er beim Rendez-vous Bundesplatz erstmalig die Logos der Mitgliedkirchen des SEK für das Reformationsjubiläum auf der Fassade des Bundeshauses projiziert sah, habe er den Eindruck gehabt, einem „historischen Moment“ beizuwohnen. „In diesem Jahr haben wir umgesetzt, wovon wir seit Jahren reden. Kirche sein vor Ort, regional und gesamtschweizerisch. Das Reformationsjubiläum hat es uns vor Augen geführt. Das ist eine gute Ausgangslage für die Diskussion der neuen Verfassung.“ So ein einschneidender Schritt passiere nur „once in a lifetime“.

Zentralistischere Verfassung - Führungsrolle für den Ratspräsidenten

Die neue Verfassung, die sich der Kirchenbund geben will, soll die Kirchengemeinschaft gegenüber den einzelnen föderalistisch organisierten Mitgliedskirchen stärken. Der neue Name drückt die Veränderung aus. Aus dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) wird die einheitlichere „Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz“ (EKS). Zur neuen Verfassung gehört auch eine dreigliedrige Neuorganisation der Kirchengemeinschaft: „Synodal, kollegial, personal“ heisst das neue Konzept. Dem Ratspräsidenten kommt damit eine „personalisierte, auch geistlich-episkopal“ verstandene Führungsrolle zu, wie das reformierte Portal ref.ch schreibt. Über die vorgeschlagenen Änderungen wurde kontrovers diskutiert. „Das Ziel einer Erstlesung erwies sich am 7. November jedoch als zu hoch gesteckt“, schreibt ref.ch.  In einer ausserordentlichen Versammlung im April 2018 sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden. Man habe den Diskussionen Raum und Zeit geben wollen, erklärte Hella Hoppe, Geschäftsleiterin des SEK, gegenüber ref.ch. Deswegen habe man sich bewusst für dieses „ergebnisoffene“ Vorgehen entschieden.

Neue Präambel

Zugestimmt wurde bereits dem vom Rat vorgechlagenen neuen Präambeltext, der nun folgendermassen lautet: „Die EKS bekennt Gott als den Schöpfer, Jesus Christus als Erlöser und ihr alleiniges Haupt und den Heiligen Geist als Tröster und Beistand. Sie erkennt in den Schriften des Alten und Neuen Testaments das Zeugnis der göttlichen Offenbarung. Sie bekennt, dass wir errettet sind durch Gnade und gerechtfertigt durch den Glauben.“

Reformationsjubiläum

Die Mitglieder der Versammlung hörten zudem einen Zwischenbericht über die Projekte des SEK im Rahmen von „500 Jahre Reformation“, der von der Lancierung des Jubiläums in Genf am 5. November 2016 bis zu dem  Jugendfestival „Reformaction“ vergangenes Wochenende in Genf reichte. Der Rat des SEK wird der kommenden Sommer-AV eine Gesamtbilanz der Jubiläumsanlässe präsentieren.

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