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Evangelisation
31. Januar 2020

Absagen in Großbritannien: Graham weist Homophobie-Vorwürfe zurück

Der US-Evangelist Franklin Graham. Foto: Billy-Graham-Gesellschaft
Der US-Evangelist Franklin Graham. Foto: Billy-Graham-Gesellschaft

Liverpool/Charlotte (idea) – Der US-Evangelist Franklin Graham (Charlotte/Bundesstaat North Carolina) hat sich gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) besorgt über Einschränkungen der Redefreiheit geäußert und Homophobie-Vorwürfe zurückgewiesen.

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Hintergrund ist eine Acht-Städte-Tour von Graham im Frühjahr durch Großbritannien. Bereits vertraglich festgelegte Veranstaltungen in Liverpool und Glasgow wurden abgesagt. Auch in Sheffield wird Medienberichten zufolge über eine Absage debattiert.

Graham hat in der Vergangenheit mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass Homosexualität gemäß den Aussagen der Bibel Sünde sei. Das stößt auf Kritik. In einer Petition, die die Stornierung der Liverpool-Veranstaltung gefordert hatte, wird der 67-Jährige etwa als „homophober Hassprediger“ bezeichnet. Die Erlaubnis, Hassrede zu verbreiten, untergrabe die Verfahren, „die demokratisch umgesetzt wurden, um unsere unmittelbaren Rechte zu schützen“.

Bürgermeister von Liverpool: Es war richtig, Graham auszuschließen

Der Betreiber der Arena ACC Liverpool, wo die Evangelisation stattfinden sollte, verkündete die Absage am 24. Januar. Die Veranstaltung habe eine spaltende Wirkung. Mehrere Aussagen Grahams seien „unvereinbar mit unseren Werten“, so die „ACC Liverpool Group“. Auf welche Stellungnahmen Grahams das Unternehmen sich genau bezieht, teilte es auf idea-Anfrage nicht mit.

Der Bürgermeister von Liverpool, Joe Anderson (Labour-Partei), schrieb auf Twitter, die Stadt sei divers geprägt und stolz auf ihre LGBTQ+-Gemeinschaft (Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Queere): „Wir können nicht zulassen, dass Hass und Intoleranz unwidersprochen bleiben.“ Das gelte auch für religiöse Gruppen und Sekten. Es sei richtig gewesen, dass man Graham aus der Arena ausgeschlossen habe, so Anderson.

Graham: Ein rechtsgültiger Vertrag wurde gebrochen

Solche Aussagen und Reaktionen seien ein Riesenthema für alle Christen, sagte Graham idea. „Wenn wir für die Bibel einstehen, können wir der Hassrede bezichtigt werden.“ Er predige niemals gegen Menschen – weder gegen Homosexuelle noch gegen Muslime. Es geht immer um die Botschaft Jesu Christi, der zufolge alle Menschen Sünder seien: „Gott liebt uns, er ist für uns alle gestorben und auferstanden. Das ist die Gute Nachricht für alle. Ich glaube, dass die Bibel vom Anfang bis zum Ende Gottes Wort ist.“ Die Säkularisierung der Gesellschaft nehme zu, Gott werde aus ihr verbannt. Millionen Menschen wüssten noch nichts von Gott. Sie probierten in ihrem Leben vieles aus, das die Leere aber noch vergrößere.

Graham zufolge hat das Unternehmen in Liverpool einen rechtsgültigen Vertrag gebrochen. Damit beschäftigten sich nun Juristen. Ob die Veranstaltung an einem anderen Ort in Liverpool stattfinden werde, sei noch nicht klar, aber das Ziel.

Der Glasgower „Scottish Events Campus“ teilte idea mit, dass das Unternehmen gegenüber den individuellen Überzeugungen der Kunden und der Besucher neutral sei. Man sei sich jedoch der jüngsten negativen öffentlichen Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit dieser Tournee bewusst. Auf Antrag des größten Anteilseigners – das Unternehmen gehört zu 90,9 Prozent dem Glasgower Stadtparlament – sei die Angelegenheit geprüft und dann entschieden worden, die Veranstaltung nicht auszurichten.

Anglikanischer Bischof: Unnötig hetzerische Rhetorik

Auch aus der anglikanischen Kirche gibt es Widerstand. Bischof Pete Wilcox (Sheffield) hatte sich bereits am 27. November in einer Stellungnahme auf der Internetseite seiner Diözese gegen Graham gewandt: Dessen Rhetorik sei unnötig hetzerisch und stelle eine Gefahr für den sozialen Zusammenhalt der Stadt dar. Graham bezeichnete Aussagen wie diese gegenüber idea als „nicht ungewöhnlich“: „Wer das Wort Gottes predigt, bekommt immer Gegenwind.“ Es werde auch in Zukunft Widerstand geben, und er bitte Gott, dass er weise darauf reagiere.

Ich unterstütze nicht alles, was Donald Trump sagt

Bischof Paul Bayes (Liverpool) sagte, dass es in dem von seinen Eltern ihm vermittelten Glauben keinen Platz für wütende Politik, Mauern, Ausgrenzung und Angst vor Andersartigem gebe. Damit spielt Bayes auf die Politik von US-Präsident Donald Trump an. Graham wird von seinen Kritikern eine zu große Nähe zu Trump vorgeworfen. Dem widersprach er gegenüber idea. Er habe keinen Wahlkampf für Trump gemacht, aber dieser sei nun einmal der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten und werde von Millionen Amerikanern geliebt. Das bedeute aber nicht, dass er selbst alles gutheiße, was Trump in seinem Leben getan habe, und dass er dessen Aussagen alle unterstütze, betonte Graham.

Franklin Graham wird am 20. Juni erstmalig in Deutschland predigen

Am 20. Juni 2020 wird Franklin Graham erstmalig für eine Evangelisation nach Deutschland kommen. Die Veranstaltung wird in der Kölner Lanxess-Arena stattfinden. Franklin Graham ist der älteste Sohn des US-Baptistenpredigers Billy Graham (1918–2018). Dessen letzter Großauftritt in Deutschland fand 1993 bei der Großevangelisation von proChrist in Essen statt.

Organisiert wird die Veranstaltung in Köln von dem Missionswerk „Billy Graham Evangelistic Association“ (BGEA), dessen Präsident Franklin Graham nun ist, in Zusammenarbeit mit „Samaritan’s Purse e. V. – Die Barmherzigen Samariter“.